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«Das digitale Erlebnis wird sich als eigenständiger strategischer Faktor etablieren.»

Interview
Etienne de Béjarry
Senior account executive
Addepar
Von Jérôme Sicard, Chefredaktor, SPHERE

Angesichts der zunehmenden Komplexität der Portfolios, der wachsenden Bedeutung nicht börsennotierter Vermögenswerte und des regulatorischen Drucks verändern sich die technologischen Werkzeuge bei den unabhängigen Vermögensverwaltern. Étienne de Bejarry, der vor kurzem das Büro der Addepar-Plattform in der Schweiz eröffnet hat, entschlüsselt hier die Entscheidungen in Bezug auf Architektur, Automatisierung und Datenverarbeitung, die ihren Alltag neu definieren.

Was sind heute die Schwerpunkte der Forschung und Entwicklung bei Addepar?
Das Unternehmen gibt jährlich über 100 Millionen US-Dollar für Forschung und Entwicklung aus, wobei fast die Hälfte der Mitarbeiter in den Bereichen Produkt, Technik und Dateninfrastruktur tätig ist.
Was die Dateninfrastruktur betrifft. Addepar hat massiv in eine Architektur investiert, die unter anderem auf Databricks basiert. Sie ermöglicht die Verarbeitung von über 450 Datenströmen von Depotbanken aus der ganzen Welt. Dieser Ansatz soll eine hohe Datenqualität, eine nahtlose Integration mit Drittsystemen und ein hohes Mass an Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig die Skalierbarkeit der Plattform sicherstellen.
Der zweite Schwerpunkt liegt auf künstlicher Intelligenz und Automatisierung. Addepar entwickelt intelligente Agenten, Chatbots und Tools zur Automatisierung von Workflows, die den Alltag der Nutzer vereinfachen sollen. Das Ziel ist klar: die operative Belastung zu verringern, manuelle Eingriffe einzuschränken und den Teams die Möglichkeit zu geben, sich auf Aufgaben mit höherem Mehrwert zu konzentrieren.
Eine dritte strategische Achse schliesslich betrifft die Verwaltung alternativer und privater Vermögenswerte. Heute aggregiert Addepar rund 8 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten, von denen 40 % in nicht börsennotierte Anlageklassen investiert sind. Addepar hat Lösungen entwickelt, die in der Lage sind, die von den genGPs ausgegebenen Dokumente automatisch zu lesen, zu analysieren und zu verarbeiten, um eine zuverlässige und kontinuierliche Integration dieser komplexen Daten zu ermöglichen.

Welche der international entwickelten Lösungen halten Sie für besonders relevant für unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz?
Unabhängige Vermögensverwalter bewegen sich in einem immer anspruchsvolleren Umfeld, das leistungsstarke und gleichzeitig flexible Tools erfordert. Genau auf diesen Bereich hat Addepar in den letzten Jahren einen bedeutenden Teil seiner Entwicklungen konzentriert.
Die Plattform beruht auf einer fortschrittlichen Personalisierungslogik. Jedes Nutzerprofil - Compliance Officer, Relationship Manager, Portfolio Manager, Management oder Risk Officer - kann auf Dashboards, Indikatoren und Berichte zugreifen, die speziell auf seine Verantwortlichkeiten und Ziele zugeschnitten sind. Das Tool ist nicht als starres System konzipiert, sondern als entwicklungsfähige Umgebung, die sich im Laufe der Zeit an die operativen Bedürfnisse der Teams anpassen kann.

Diese Flexibilität erstreckt sich auch auf den Umgang mit alternativen Vermögenswerten. Addepar hat ein Modul Alternative Data Management entwickelt, um die Integration von Anlagen zu automatisieren, die häufig in Form von unstrukturierten, per E-Mail versandten Dokumenten übermittelt werden. Diese Daten werden ohne manuellen Eingriff verarbeitet und direkt in verwertbare Transaktionen umgewandelt, was einer sehr konkreten Problematik entspricht, mit der viele Vermögensverwalter in der Schweiz konfrontiert sind.

Wie erklären Sie sich den Rückstand der unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter bei der Digitalisierung?
Er erklärt sich grösstenteils durch die rasche Veränderung ihres Umfelds. Die letzten Jahre waren geprägt von einer strengeren Regulierung, insbesondere mit der Einführung der FINMA-Lizenz, sowie von einer zunehmenden Komplexität der Portfolios, Multi-Banken, Multi-Jurisdiktionen. Die Integration von Vermögenswerten - strukturierte & alternative Produkte zum Beispiel - wurde deutlich ausgefeilter.

Ausserdem beruht der Beruf des unabhängigen Vermögensverwalters historisch gesehen auf der menschlichen Beziehung, dem Vertrauen und der Nähe zu den Kunden. Die Technologie wurde lange Zeit nur als sekundäre Unterstützung oder gar als Zwang wahrgenommen, anstatt als strategischer Hebel. Hinzu kommt, dass viele digitale Tools in erster Linie als Kostenstellen betrachtet wurden, ohne klar erkennbaren unmittelbaren Nutzen.

Wie wird sich der PMS-Markt in der Schweiz Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren entwickeln?
Es handelt sich um einen sehr wettbewerbsintensiven Markt, was ein Vorteil für die Manager ist, da sie über eine breite Palette an Lösungen verfügen. Allerdings sind nicht alle Akteure gleich, wenn es um die Investitionen geht, die für die Integration neuer Technologien erforderlich sind.
Mittelfristig werden sich die PMS durchsetzen, die die künftigen Bedürfnisse des Marktes voraussehen können, indem sie erheblich in Forschung und Entwicklung investieren. Die Vermögensverwalter werden in der Lage sein müssen, mit weniger mehr zu erreichen und gleichzeitig die Erwartungen einer neuen Generation von Kunden zu erfüllen, die höhere Ansprüche an Personalisierung, Transparenz und digitale Erfahrungen stellen.
Die Fähigkeit, vollständig massgeschneiderte Berichte, moderne Schnittstellen und nutzungsgerechte mobile Anwendungen anzubieten, wird zu einem entscheidenden Unterscheidungsmerkmal werden. In diesem Zusammenhang wird sich die digitale Erfahrung, die den Endkunden geboten wird, als eigenständiges strategisches Element etablieren.

Wie integrieren Sie nicht börsennotierte Vermögenswerte, um eine konsolidierte Sicht auf die Portfolios anzustreben?
Wie ich bereits sagte, sind fast 40 % der auf der Plattform aggregierten Vermögenswerte in Private Equity, Immobilien, Direktinvestitionen oder andere reale Vermögenswerte investiert. Um den Besonderheiten dieser Anlageklassen gerecht zu werden, hat Addepar Tools entwickelt, die sich direkt mit den Portalen der General Partners verbinden, die erhaltenen Dokumente automatisch analysieren und die entsprechenden Transaktionen in der Plattform generieren. Dieser Ansatz gewährleistet einen konsolidierten Überblick über die Portfolios mit zuverlässigen und zeitlich historisierten Daten.

Ergänzend dazu hat Addepar Tools zur Projektion von Cashflows und langfristiger Liquidität eingeführt, die auf einer umfangreichen anonymisierten Datenbank mit Privatfonds basieren. Diese Funktionen ermöglichen es, realistische Szenarien zu erstellen und relevante Performance-Benchmarks je nach Anlagestrategie und -profil vorzuschlagen.

Welchen Platz räumen Sie künstlicher Intelligenz und prädiktiver Analyse in einem PMS ein?
Sie wird insbesondere eingesetzt, um die Bearbeitung von Dokumenten im Zusammenhang mit alternativen Anlagen zu automatisieren, aber auch um Chatbots zu füttern, die komplexe Anfragen auf der Grundlage der auf der Plattform verfügbaren Daten beantworten können.
Über diese ersten Anwendungsfälle hinaus arbeitet Addepar an der Automatisierung kompletter operativer Workflows: Onboarding von Kunden, regulatorische Kontrollen, Abgleich von Bankdaten. Ziel ist es, die Prozesse flüssiger zu gestalten und manuelle Aufgaben deutlich zu reduzieren.

Langfristig wird die KI eine zentrale Rolle im Funktionsumfang der PMS spielen, wobei sie weiterhin von einer menschlichen Validierung begleitet wird. Es geht nicht darum, das Fachwissen von Fachleuten zu ersetzen, sondern es zu stärken, indem ihnen Werkzeuge an die Hand gegeben werden, die die Effizienz, Zuverlässigkeit und Entscheidungsfindung verbessern können.

Biografie
Etienne de Bejarry
 
Addepar
 

Étienne de Bejarry ist seit Juni 2025 als Senior Account Executive bei Addepar tätig, wo er die Geschäftsentwicklung in der Schweiz leitet. Addepar, eine Technologieplattform für Anlageexperten, hat im Oktober seine Schweizer Niederlassung in Genf eröffnet. Nach einer soliden Erfahrung im Bereich Managementberatung war Étienne de Bejarry in den letzten fünf Jahren bei WealthArc tätig, wo er die Geschäftsstrategie umsetzte und leitete.

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