Die SPHERE-2025-Analyse der Schweizer Privatbanken vergleicht acht Indikatoren für Rentabilität, Wachstum, Effizienz und Produktivität. Sie zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Instituten auf und verdeutlicht sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle, bei denen die Ertragsstruktur, strategische Entscheidungen und Investitionen letztlich ebenso wichtig sind wie die Kennzahlen selbst.

Amerikanische Sportarten und ihre Fans sind grosse Konsumenten von Statistiken aller Art. Zahlen ohne Ende dienen dazu, die Leistungen ihrer Teams und der einzelnen Spieler zu beurteilen, zu bewerten und einzuordnen. Auch Schweizer Privatbanken haben natürlich ihre besten Hitter und ihre besten Scorer. In diesem Sektor ist es deshalb ebenso interessant, spezifische Rankings zu erstellen, um die Leistungen der einzelnen Institute besser einzuordnen.
Als erste Analyse ihrer Art umfasst das Sphere x Finews Ranking acht Kennzahlen. Dazu gehören die Eigenkapitalrendite, die Rendite auf den Aktiven, die Rentabilität in Basispunkten gemessen an den verwalteten Vermögen, die Cost-Income-Ratio, die Nettozuflüsse im Verhältnis zu den verwalteten Vermögen, der Anteil diskretionärer Mandate, die verwalteten Vermögen pro Mitarbeitenden sowie der Personalaufwand pro Mitarbeitenden. Die Analyse liefert eine aufschlussreiche Momentaufnahme des Marktes und macht einige klare Trends sichtbar. Keine dieser Kennzahlen reicht jedoch für sich allein aus, um die Leistung einer Privatbank zu beurteilen. Ein und dieselbe Kennzahl kann je nach Institut einen günstigen Ertragsmix, ein bewusst einfach gehaltenes Geschäftsmodell oder eine noch laufende Wachstumsstrategie widerspiegeln. Erst die Kombination von Rentabilität, Effizienz und Produktivität pro Mitarbeitenden macht das Ranking wirklich aussagekräftig. Diese Dimension wird von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnen, wenn die jährliche Analyse es ermöglicht, die Entwicklung der einzelnen Institute besser zu verfolgen und echte Branchendynamiken sichtbar zu machen.
Die Zahl, die in diesem Benchmarking sofort ins Auge fällt, ist die Cost-Income-Ratio von Safra Sarasin. Die Cost-Income-Ratio gehört zu den wichtigsten Kennzahlen der Branche. Mit 48,6 Prozent liegt jene von Safra Sarasin mehr als 20 Prozentpunkte unter dem Wert der meisten Institute im Panel. Viele Häuser bewegen sich zwischen 65 und 73 Prozent. Nur Zaehringer kommt in die Nähe dieses Werts. Ein derart grosser Abstand verdient eine genauere Betrachtung, bevor die übrigen Kennzahlen des Rankings analysiert werden.
Der Geschäftsbericht der Gruppe zeigt, was diese Zahl allein nicht erkennen lässt. Von 1,742 Milliarden Franken Betriebsertrag entfällt ein bedeutender Teil der Erträge auf das Handelsgeschäft und die Wertschriftenkommissionen. Das Handelsergebnis beläuft sich auf 317,8 Millionen Franken, die Kommissionen aus dem Anlagegeschäft auf 723,5 Millionen Franken. Diese Aktivitäten generieren hohe Erträge, ohne denselben personellen und materiellen Aufwand zu erfordern wie das Kreditgeschäft oder die traditionelle diskretionäre Vermögensverwaltung.
Auch ein einmaliger Effekt spielt im Ergebnis 2025 eine wichtige Rolle. Eine Auflösung von Wertberichtigungen für Ausfallrisiken in Höhe von 148,3 Millionen Franken erhöht das Nettoergebnis aus dem Zinsengeschäft. Ohne diesen nicht jährlich wiederholbaren Effekt würde die Quote eher bei rund 53 bis 54 Prozent liegen. Beeindruckend wäre sie dennoch.
Die Kosten steigen im Übrigen schneller als die Erträge, insbesondere aufgrund der um 19 Prozent höheren aktienbasierten variablen Vergütung. Auch die Produktivität pro Mitarbeitenden, gemessen an den verwalteten Vermögen pro Vollzeitäquivalent, liegt deutlich unter jener der Spitzenreiter dieses Rankings. Bei Safra Sarasin beträgt sie 86,2 Millionen Franken. Die Cost-Income-Ratio von Safra Sarasin ist somit in erster Linie auf die Struktur der Erträge zurückzuführen und nicht auf eine überdurchschnittliche operative Effizienz pro Mitarbeitenden. Dies schmälert keineswegs die beeindruckende Disziplin und Konsequenz, mit denen die Bank ihre Kosten im Griff hält.
Zaehringer, eine seltene Konstanz über fast alle Kennzahlen hinweg
Während Safra Sarasin mit ihrer Cost-Income-Ratio beeindruckt, zeichnet sich Zaehringer durch ihre Konstanz über das gesamte Tableau hinweg aus. Die Bank liegt bei der Eigenkapitalrendite mit 21,2 Prozent auf Platz eins, bei der Rentabilität in Basispunkten mit 28,0 Basispunkten ebenfalls auf Platz eins, bei der Cost-Income-Ratio mit 50,4 Prozent auf Platz zwei, beim Anteil diskretionärer Mandate mit 93,8 Prozent auf Platz eins und bei den verwalteten Vermögen pro Mitarbeitenden mit 123,6 Millionen Franken auf Platz zwei.
Martin Schenk, CEO von Zaehringer, führt diese Konstanz auf eine bewusste strategische Entscheidung zurück und nicht auf die Optimierung einer einzelnen Kennzahl. «Wir konzentrieren uns auf das Private Banking für Kunden mit ausschliesslichem Wohnsitz in der Schweiz. Dadurch haben wir eine geringe regulatorische Komplexität», erklärt er. Die Bank setzt auf «transparente Anlagen wie Direktinvestitionen und kosteneffiziente Indexinstrumente». Sie positioniert sich in keiner Weise als Hersteller oder Vertreiber von Finanzprodukten.
Auch die Organisation selbst ist auf Effizienz ausgerichtet, mit einer systematischen Auslagerung von Aktivitäten ausserhalb des Kerngeschäfts. Die Aktionärsstruktur verstärkt diese Logik. 75 Prozent der Aktien befinden sich im Besitz der operativ tätigen Eigentümer, und auch alle Mitarbeitenden sind Aktionäre der Bank. «Kurze Entscheidungswege, eine hohe individuelle Verantwortung und eine unternehmerische Kultur prägen unsere Arbeitsweise. Wir sind überzeugt, dass gerade das Zusammenspiel dieser verschiedenen Elemente unser hohes Niveau bei Rentabilität, Effizienz und Produktivität erklärt», fasst Schenk zusammen.
Der Fall Banque Heritage
Banque Heritage führt ihrerseits das Ranking bei den Nettozuflüssen im Verhältnis zu den verwalteten Vermögen mit 15,9 Prozent an. Gleichzeitig weist sie mit 1,39 Prozent die höchste Rendite auf den Aktiven sowie mit 23,0 Basispunkten die zweithöchste Rentabilität in Basispunkten auf. Marcos Esteve, CEO der Bank, führt einen Teil dieser Leistung auf die Struktur der Gruppe selbst zurück. «Wir haben eine Bank in Uruguay, deren Geschäft sich deutlich von jenem der Schweizer Bank unterscheidet. Diese richtet sich eher an Unternehmer und umfasst Unternehmenskredite sowie Private-Banking-Aktivitäten. Und wo Kreditgeschäft im Spiel ist, ist auch der Spread etwas höher», erklärt er. Für das Schweizer Geschäft allein liege die ROA bei rund 1,09 Prozent, ein Niveau, das er bereits als solide und als Top-Five-Wert der Branche bezeichnet.
Bei der Rentabilität in Basispunkten erklärt er, dass der von der Bank ausgewiesene Anteil der diskretionären Vermögensverwaltung zusammen mit den Beratungsmandaten mehr als 40 Prozent beträgt. Diese Zahl müsse allerdings unter Berücksichtigung der Bedeutung der unabhängigen Vermögensverwalter gelesen werden. Diese bringen 35 Prozent der Vermögen der Bank ein und unterliegen strukturell nicht der Logik eines internen Mandats. Bezogen auf das Volumen der Vermögen, die direkt von der Bank verwaltet werden und rund 70 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen, wäre dieser Anteil entsprechend automatisch höher.
Bei der Cost-Income-Ratio hingegen vertritt Marcos Esteve eine Betrachtung, die mit der Wachstumsphase des Instituts zusammenhängt. Jede Bank in der Entwicklung durchlaufe seiner Ansicht nach eine Investitionsphase, in der Kosten entstehen, bevor daraus Erträge resultieren. Das erschwere eine Verbesserung der Quote automatisch. Er nennt insbesondere die Rekrutierung von Kundenberatern, deren Beitrag zu den Erträgen zeitlich verzögert eintritt, sowie die laufende Migration auf eine neue IT-Plattform.
«Es gilt, das richtige Gleichgewicht zwischen Wachstum und Kostenkontrolle zu finden. Solange wir gesunde und akzeptable Kennzahlen halten, wie dies heute der Fall ist, befinden wir uns auf dem richtigen Weg.»
Über die Zahlen hinaus sieht Marcos Esteve in diesen Benchmarks ein eigenständiges Steuerungsinstrument. «Die Analyse ermöglicht es mir, unsere Leistung im Vergleich zu unseren Wettbewerbern einzuordnen, Verbesserungspotenzial zu erkennen und zu verstehen, was die leistungsstärksten Institute unterscheidet. Sie ist ein wichtiges Instrument, um zu überprüfen, ob wir vorankommen und vor allem, ob wir uns von Jahr zu Jahr verbessern», fasst er zusammen.
Eine kombinierte Betrachtung statt einer isolierten Kennzahl
Die übrigen Institute des Panels zeigen unterschiedliche Abwägungen. Pictet verbindet den höchsten Wert bei den verwalteten Vermögen pro Mitarbeitenden mit 174,1 Millionen Franken, ein Zeichen für ein Geschäftsmodell mit hoher Skalierung, mit einer höheren Cost-Income-Ratio von 72,0 Prozent. Dies deutet trotz der Grösse auf eine höhere Kostenstruktur im Verhältnis zu den Erträgen hin. Maerki Baumann weist mit 330,2 Tausend Franken den höchsten Personalaufwand pro Mitarbeitenden im Panel aus und erzielt gleichzeitig eine solide Eigenkapitalrendite von 18,1 Prozent und damit den dritten Platz. Dies deutet auf ein Modell mit kostenintensiven, aber produktiven Teams hin.
Das Ranking zeigt schliesslich, dass keine einzelne Kennzahl ausreicht, um die Leistung einer Privatbank zu beurteilen. Dieselbe Kennzahl kann je nach Institut einen günstigen Ertragsmix, ein bewusst einfach gehaltenes Geschäftsmodell oder eine noch laufende Wachstumsstrategie widerspiegeln.
Return on Equity
- Zähringer Privatbank — 21,2%
- Banque Pictet — 20,3%
- Maerki Baumann — 18,1%
- Cité Gestion — 16,2%
- Lombard Odier — 13,7%
- Banque Heritage — 12,5%
- Bank Vontobel — 11,3%
- Piguet Galland — 11,1%
- Bank Julius Baer — 10,6%
- Bergos — 9,5%
Rendite auf den Aktiven (ROA)
- Banque Heritage — 1,39%
- BIL Suisse — 1,36%
- Zarattini — 1,21%
- Bank von Roll — 1,20%
- Hyposwiss Private Bank Genève — 1,14%
- Cité Gestion — 1,02%
- CBH Compagnie Bancaire Helvétique — 0,94%
- Banque Gonet — 0,91%
- Piguet Galland — 0,88%
- PKB Privatbank — 0,87%
Rentabilität in Basispunkten (Nettoergebnis / AUM)
- Zähringer Privatbank — 28,0
- Banque Heritage — 23,0
- Bank J. Safra Sarasin — 22,9
- CBH Compagnie Bancaire Helvétique — 20,6
- Bank von Roll — 20,4
- BIL Suisse — 16,0
- Banque Dreyfus — 15,5
- Bank Julius Baer — 14,7
- Union Bancaire Privée — 14,6
- Maerki Baumann — 12,7
Cost-Income-Ratio (von niedrig nach hoch)
- Bank J. Safra Sarasin — 48,6%
- Zähringer Privatbank — 50,4%
- Banque Dreyfus — 64,9%
- CBH Compagnie Bancaire Helvétique — 65,4%
- Bank von Roll — 67,0%
- Hyposwiss Private Bank Genève — 67,7%
- Maerki Baumann — 69,5%
- Union Bancaire Privée — 69,6%
- Banque Pictet — 72,0%
- Bank Vontobel — 73,0%
Nettozuflüsse im Verhältnis zu den Vermögen (NNA)
- Banque Heritage — 15,9%
- PKB Privatbank — 12,4%
- CBH Compagnie Bancaire Helvétique — 10,7%
- Zähringer Privatbank — 9,4%
- CA Indosuez (Suisse) — 7,9%
- Banca Credinvest — 7,8%
- Zarattini — 6,6%
- Cité Gestion — 5,9%
- Edmond de Rothschild (Suisse) — 4,8%
- Maerki Baumann — 3,8%
Diskretionäre Mandate (% der AUM)
- Zähringer Privatbank — 93,8%
- Cité Gestion — 80,8%
- Maerki Baumann — 59,1%
- Piguet Galland — 51,1%
- Hyposwiss Private Bank Genève — 50,7%
- Mirabaud — 40,6%
- PKB Privatbank — 34,8%
- Banque Syz — 34,2%
- Banque Dreyfus — 34,2%
- Lombard Odier — 33,9%
AUM / FTE (CHF Mio.)
- Banque Pictet — 174,1
- Zähringer Privatbank — 123,6
- Maerki Baumann — 119,7
- Bank Vontobel — 104,2
- Banque Dreyfus — 96,7
- Bank J. Safra Sarasin — 86,2
- Lombard Odier — 77,8
- Edmond de Rothschild (Suisse) — 74,4
- Banque Eric Sturdza — 71,7
- Bank Julius Baer — 70,5
Personalaufwand / FTE (CHF Tsd.)
- Maerki Baumann — 330,2
- Banque Dreyfus — 308,7
- Bank Vontobel — 305,5
- Banque Gonet — 294,3
- Banque Pictet — 293,2
- Zähringer Privatbank — 286,4
- Lombard Odier — 285,9
- BIL Suisse — 284,6
- Union Bancaire Privée — 283,8
- Banque Syz — 279,6
