Search toggle
Choose your language.
Rechercher
SPHERE. Rue François-Versonnex 7, 1207 Geneva, Switzerland
+41225661732

Wie J.P. Morgan seine Position in der Schweiz weiter ausbauen will

Interview
Reinout Böttcher
Senior Country Officer and Head Investment Banking Switzerland
J.P. Morgan
Von Dominik Buholzer, chefredakteur, finews

Während verschiedene Schweizer Finanzhäuser Stellen abbauen, verfolgt J.P. Morgan einen anderen Kurs. Schweiz-Chef Reinout Böttcher will weiter investieren und Personal einstellen. Zusätzliche Chancen sieht er insbesondere bei mittelgrossen Unternehmen.

portrait_1250x630_droite

J.P. Morgan ist in der Schweiz weiter auf Expansionskurs. Das Geschäft wachse 2026 bislang stark, sagt Reinout Böttcher, Schweiz-CEO und Head of Swiss Investment Banking bei J.P. Morgan, im Gespräch mit finews.

Das Wachstum erstrecke sich über praktisch alle wichtigen Geschäftsbereiche. Im Corporate Banking legt die US-Bank zu, das Markets-Geschäft profitiert von der anhaltenden Volatilität an den Kapitalmärkten. Auch Private Banking und Asset Management verzeichnen laut Böttcher ein deutliches Wachstum.

In einzelnen Bereichen bewegt sich dieses im «vernünftigen zweistelligen Prozentbereich», wie Böttcher sagt.

Die CS-Lücke als Chance

Eine besondere Rolle spielt dabei das Geschäft mit mittelgrossen Schweizer Unternehmen. J.P. Morgan hat in diesem Segment in den vergangenen Jahren zusätzliches Personal aufgebaut. Die Expansion ist Teil einer globalen Mid-Market-Initiative des US-Instituts.

Dabei kommt der Bank auch die Konsolidierung des Schweizer Bankenplatzes entgegen.

Mit der Übernahme der Credit Suisse durch UBS ist eine Lücke entstanden. Schweizer Unternehmen seien heute stärker daran interessiert, ihre Bankbeziehungen zu diversifizieren. Das habe die Bereitschaft erhöht, mit internationalen Instituten wie J.P. Morgan ins Gespräch zu kommen, sagt Böttcher.

Das Angebot der US-Bank unterscheidet sich von jenem der grossen Schweizer Institute. Den inländischen Zahlungsverkehr beispielsweise sieht Böttcher für J.P. Morgan nicht als Fokusbereich. Interessant wird es vielmehr bei Unternehmen mit einem «substanziellen internationalen Geschäft».

Bis rund 500 Millionen Franken Umsatz

Genau dort will J.P. Morgan tiefer in den Schweizer Mittelstand vordringen. Das Mid-Market-Segment reicht bei der Bank grundsätzlich bis zu Unternehmen mit einem Umsatz von rund 500 Millionen Franken. «Wenn wir weiter wachsen wollen, können wir uns nicht zusammen mit unseren fünf Hauptwettbewerbern nur auf die Top-20-SMI-Unternehmen fokussieren», sagt Böttcher.

J.P. Morgan will weiter einstellen

Damit unterscheidet sich die Strategie auch von jener verschiedener Schweizer Finanzhäuser, die derzeit Sparprogramme und Stellenkürzungen angekündigt haben. «Wir sind eher in einer anderen Richtung unterwegs», sagt Böttcher. «Wir wollen weiter Leute einstellen und weiter wachsen.»

Das gelte ausdrücklich auch für die Schweiz. Die Bank wolle zwar nicht flächendeckend Personal aufbauen, sondern selektiv in den strategisch wichtigen Bereichen wachsen.

Böttcher sieht darin auch einen gewissen Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Banken. Seine Beobachtung sei, dass US-Institute tendenziell stärker darauf ausgerichtet seien, in Wachstum zu investieren. Bei europäischen Banken liege der Fokus dagegen etwas häufiger auf der Bottom Line und damit auch auf Kostenreduktionen.

KI dürfte den Arbeitsmarkt verändern

Das bedeutet allerdings nicht, dass J.P. Morgan die möglichen Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die Beschäftigung unterschätzt.

Böttcher erwartet, dass KI längerfristig einen grösseren Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben und zu Verschiebungen bei Tätigkeiten führen wird. Besonders im Backoffice seien erhebliche Effizienzgewinne denkbar. Auch bei der Unterstützung des Frontoffice sieht er Potenzial.

Konkrete Pläne, aufgrund von KI weniger Personal zu rekrutieren, gebe es bei J.P. Morgan in der Schweiz derzeit jedoch nicht.

Schweizer M&A-Markt fällt zurück

Weniger dynamisch präsentiert sich derzeit das Schweizer Investmentbanking. Während das globale M&A-Geschäft 2026 kräftig läuft und insbesondere die USA und Europa hohe Volumen verzeichnen, entwickelt sich die Schweiz schwächer.

Böttcher führt dies primär auf das erfolgreiche Vorjahr zurück. 2025 ist für Fusionen und Übernahmen in der Schweiz ein ausserordentlich starkes Jahr gewesen. 2026 dürfte dagegen eher ein Durchschnittsjahr werden.

Ein grundsätzliches Nachfrageproblem sieht Böttcher nicht. Die Kunden beschäftigten sich weiterhin intensiv mit M&A. Was in diesem Jahr bislang fehlt, sind einige grosse Transaktionen. Das fällt in einem vergleichsweise kleinen Markt wie der Schweiz besonders stark ins Gewicht.

«Wir können noch viel mehr»

An der langfristigen Attraktivität des Schweizer Marktes zweifelt Böttcher dennoch nicht. Die Schweiz verfüge über eine grosse Zahl an Large Caps und Mid Caps und biete J.P. Morgan weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial.

Das Ziel formuliert er entsprechend klar: «Wir müssen noch mehr Marktanteile gewinnen.»

Teilen