Die Mission des Asset Managements war stets dieselbe: Ersparnisse in produktive Investitionen zu lenken und damit Innovation, Unternehmen, Infrastrukturprojekte und die Vorsorge zu unterstützen. An dieser Aufgabe ändert sich nichts. Es sind vielmehr die Instrumente – Tokenisierung, künstliche Intelligenz und neue Fondsstrukturen –, die sich weiterentwickeln und damit auch die Zukunft des Schweizer Finanzplatzes neu prägen.

Die Schweizer Asset-Management-Industrie befindet sich in einer starken Ausgangslage. Gleichzeitig verändern neue Anlegerbedürfnisse, technologische Entwicklungen und der internationale Wettbewerb die Voraussetzungen unseres Geschäfts grundlegend.
Mit rund CHF 3,8 Billionen verwalteten Vermögen zählt die Schweizer Asset-Management-Industrie zu den führenden Standorten Europas und hat ihre Position in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Doch Erfolg muss immer wieder neu erarbeitet werden.
Die von der Asset Management Association Switzerland (AMAS) veröffentlichte Asset Management Study 2026 zeigt deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen verändern. Der internationale Wettbewerb verschärft sich, regulatorische Anforderungen nehmen zu, technologische Innovationen verändern Wertschöpfungsketten und Anleger erwarten zunehmend flexiblere und individuellere Lösungen. Schweizer Asset Manager werden damit zu höherer Kosteneffizienz, Innovation und unbedingtem Kundenfokus getrieben. Entscheidend ist somit, dass sich die Schweiz sowohl als Produktions- wie auch als Vertriebsstandort in die Zukunft entwickelt.
Denn der Bedarf an privatem Kapital – für Unternehmen, Infrastruktur, Innovation, die Transformation der Wirtschaft und die Altersvorsorge steigt. Die Zukunft des Asset Managements ist somit auch eine Frage des Wirtschaftsstandorts Schweiz. Wettbewerbsfähigkeit entscheidet darüber, ob Kapital, Innovation und Wachstum künftig in der Schweiz entstehen oder an anderen Finanzplätzen.
Dabei lohnt sich zunächst ein Blick auf das Selbstverständnis unserer Branche. Asset Management wird häufig an verwalteten Vermögen und Renditen gemessen. Sein Kernauftrag ist jedoch ein anderer: Ersparnisse in produktive Investitionen zu lenken und damit Innovation, Wachstum und langfristigen Vermögensaufbau zu ermöglichen. An diesem Auftrag wird sich nichts ändern. Verändern werden sich jedoch die Instrumente, mit denen wir ihn erfüllen.
Deshalb greift es zu kurz, die Zukunft des Asset Managements ausschliesslich als technologische Entwicklung zu betrachten. Technologie ist kein Selbstzweck. Sie muss das Asset Management leistungsfähiger machen – durch effizientere Prozesse und bessere Zugänge zu Kapitalanlagen.
Für die AMAS ist dies der strategische Fokus der kommenden Jahre. Es geht darum, die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Asset Managements weiter zu stärken und gleichzeitig die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass mehr Anlegerinnen und Anleger von den Möglichkeiten der Kapitalmärkte profitieren können.
Diese Entwicklung verlangt auch ein Umdenken innerhalb unserer Branche. Über Jahrzehnte stand häufig das einzelne Produkt im Mittelpunkt. Künftig werden stärker die Bedürfnisse der Investoren den Ausgangspunkt bilden. Gefragt sind nicht möglichst viele neue Produkte, sondern intelligent kombinierte Lösungen. Die Zukunft gehört Anlagekonzepten, die unterschiedliche Anlageklassen, Risikoprofile und Anlagehorizonte miteinander verbinden und sich flexibel an veränderte Lebenssituationen anpassen lassen.
Bereits heute zeichnet sich dieser Wandel ab. Direktmandate, neue Fondsstrukturen oder Fractional Trading erweitern die Möglichkeiten, Portfolios individueller zusammenzustellen. Gleichzeitig gewinnen Private Markets an Bedeutung. Sie entwickeln sich zunehmend zu einem strategischen Baustein langfristiger Portfolios und eröffnen zusätzliche Diversifikations- und Renditepotenziale. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Anlageklasse verantwortungsvoll für breitere Anlegerkreise zugänglich zu machen, ohne ihre Besonderheiten zu verwässern.
Hier liegt eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben des Asset Managements. ETFs haben den Zugang zu den öffentlichen Kapitalmärkten wesentlich vereinfacht. Die nächste Entwicklungsstufe besteht darin, die Möglichkeiten des Asset Managements insgesamt zu erweitern – durch intelligentere Strukturen und neue Anlagegefässe.
Dies betrifft nicht nur einzelne Anlagekonzepte oder Fondsstrukturen, sondern die Infrastruktur des Asset Managements selbst. In den kommenden Jahren wird sich verändern, wie Fonds aufgelegt, vertrieben, verwaltet, gehandelt und abgewickelt werden. Genau darin liegt eine der grössten strategischen Chancen für unsere Branche.
Die Tokenisierung von Fondsanteilen und digitale Register können die Auflage, den Vertrieb und die Abwicklung von Fonds grundlegend vereinfachen und die Basis für effizientere und individuellere Kapitalanlagen schaffen.
Besonders relevant wird dies dort, wo Anlagebedürfnisse individueller werden. Wenn Fondsanteile digital abgebildet und Prozesse stärker automatisiert werden, lassen sich Portfolios künftig granularer zusammensetzen und effizienter an persönliche Vorgaben anpassen. Risikoprofil, Liquiditätsbedarf, Nachhaltigkeitspräferenzen oder steuerliche Aspekte können stärker in die Struktur einer Lösung einfliessen. Dadurch werden individualisierte Anlagelösungen auch ausserhalb grosser Mandate wirtschaftlich darstellbar.
Diese Entwicklung hat längst begonnen: Beispielweise haben Pictet und SIX Digital Exchange die Fraktionalisierung und digitale Abwicklung von Wertschriften erprobt. Ergänzt werden solche Anwendungen durch neue Infrastrukturen wie SDX und BX Digital, die den regulierten Handel und die Abwicklung tokenisierter Anlagen ermöglichen.
Damit entsteht schrittweise eine neue Finanzarchitektur, welche die Logik des Geschäfts verändert. Asset Management wird stärker digital, modularer und rückt näher an die Bedürfnisse der Investoren. Für die Branche bedeutet das: Wer die Infrastruktur von morgen mitgestaltet, wird auch die Wertschöpfung von morgen prägen.
Auch künstliche Intelligenz gehört zu diesen neuen Instrumenten. Sie wird das Asset Management produktiver machen – im Research, in der Risikoanalyse, in der Portfolioüberwachung, im Berichtswesen und in regulatorischen Prozessen. Sie wird die Erfahrung und Verantwortung von Anlageexpertinnen und Anlageexperten nicht ersetzen. Aber sie wird ihre Arbeit präziser, schneller und effizienter machen. Im Wettbewerb der Standorte wird der kluge Einsatz solcher Technologien zu einem wichtigen Faktor.
Gleichzeitig bleibt Nachhaltigkeit ein zentrales Thema, allerdings nüchterner und stärker auf Wirkung ausgerichtet. Entscheidend sind nicht immer neue Vorgaben, Labels oder Einschränkungen. Entscheidend ist Frage, wie Kapital langfristig produktiv und wirkungsvoll eingesetzt wird. Dazu gehören sorgfältige Risikoanalysen, aktives Stewardship, der Dialog mit Unternehmen und ein Verständnis dafür, welche Geschäftsmodelle dauerhaft Wert schaffen können. Nachhaltigkeit und Performance dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Langfristige Wertschöpfung setzt tragfähige Unternehmen voraus.
In den vergangenen Jahren wurde oft von der Demokratisierung der Kapitalmärkte gesprochen. Der nächste Entwicklungsschritt ist die Demokratisierung des Asset Managements. Professionelle Anlagekonzepte werden dank neuer Strukturen und moderner Infrastruktur für deutlich mehr Investoren zugänglich. Je einfacher der Zugang zu den Kapitalmärkten wird, desto mehr Menschen können langfristig Vermögen aufbauen und am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben. Asset Management wird damit zu einem wichtigen Pfeiler finanzieller Eigenverantwortung.
Alle diese Entwicklungen verfolgen letztlich dasselbe Ziel: den Kapitalmarkt leistungsfähiger zu machen.
Dafür braucht die Schweiz die richtigen Rahmenbedingungen. Innovation entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie braucht regulatorische Offenheit, internationale Anschlussfähigkeit, Zugang zu Märkten und ein Verständnis dafür, dass Asset Management ein strategischer Bestandteil des Finanz- und Wirtschaftsstandorts ist. Wer die Wettbewerbsfähigkeit des Asset Managements stärkt, stärkt nicht nur eine Branche. Er stärkt die Investitionsfähigkeit der Volkswirtschaft.
Die AMAS wird diesen Wandel gemeinsam mit ihren Mitgliedern mitgestalten – mit dem Ziel, die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Asset Managements zu stärken und Innovation verantwortungsvoll voranzutreiben.
André Müller-Wegner
Präsident, Asset Management Association Switzerland
André Müller-Wegner hat diesen Sommer das Präsidium der Asset Management Association Switzerland übernommen und tritt damit die Nachfolge von Iwan Deplazes an. Seit Juni 2024 ist André Müller-Wegner Head of Client Coverage und Head of Switzerland bei UBS Asset Management. Zuvor leitete er seit Mai 2018 den Bereich Global Wealth Management Client Coverage und war für den Vertrieb sowie die Betreuung der Beziehung zu UBS Global Wealth Management, dem wichtigsten Kunden von UBS Asset Management, verantwortlich.
Seine Laufbahn bei UBS begann 1999 als Fondsanalyst. Seither hatte er innerhalb der Gruppe verschiedene Funktionen inne, darunter Investment Solutions Specialist, Real Estate Portfolio Manager, Head Real Estate Product Management, Head Fund Product Development & Management sowie zuletzt Head Fund Management Services.
