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„Private Equity bietet ein ausgewogeneres Engagement in der Realwirtschaft“

Interview
Jean-Christophe Rochat
Chief Investment Officer
Banque Heritage
Von Jérôme Sicard, Chefredakteur, SPHERE

Vor dem Hintergrund der Konzentration an den börsennotierten Märkten und der anhaltenden Volatilität etabliert sich Private Equity als Säule langfristiger Allokationen. Für Jean-Christophe Rochat stellt diese Anlageklasse nun einen Hebel für ein direkteres Engagement in der Realwirtschaft dar, das über das reine Streben nach Performance hinausgeht. Er nutzt die Gelegenheit, um auf ihre Entwicklung und ihre Integration in die Gesamtkonstruktion der Portfolios einzugehen.

JC ROCHAT

Auf welche Schwerpunkte konzentrieren Sie heute Ihre Private-Equity-Allokationen?
Jean-Christophe Rochat: Unsere Private-Equity-Allokationen sind heute um mehrere strukturierende Achsen herum organisiert, wobei wir ganz klar den Willen haben, in der Realwirtschaft verankert zu bleiben. Infrastruktur ist ein wichtiger erster Pfeiler, sowohl in Europa als auch in den USA. Sie profitieren von langfristigen Trends, sei es bei der Modernisierung der Netze, der Energiewende oder den staatlichen Konjunkturprogrammen.
Darüber hinaus bieten sie eine gute Sichtbarkeit der Einkommensströme. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf dem Verteidigungssektor, der vor allem in Europa wieder an Bedeutung gewinnt. Der geopolitische Kontext hat einen strukturellen Bedarf an Souveränität, Aufrüstung und Sicherheit aufgezeigt, der häufig von mittelgrossen Unternehmen ausserhalb der börsennotierten Märkte getragen wird.
Schliesslich kehren Immobilien nach einer Phase der deutlichen Anpassung der Bewertungen allmählich in die Allokationen zurück. In Europa schafft die Korrektur in den Wohn- und Geschäftssegmenten wieder interessante Einstiegspunkte. Dieses Thema wird selektiv angegangen, wobei der Qualität der Vermögenswerte, den Standorten und der Struktur der Cashflows besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Welche spezifische Rolle spielt diese Private-Equity-Allokation bei der Gesamtkonstruktion Ihrer Portfolios?
Ihre erste Rolle ist die der Diversifizierung, nicht nur in Bezug auf die Vermögenswerte, sondern vor allem in Bezug auf die Performancetreiber. Sie ermöglicht den Zugang zu Unternehmen und Projekten, die direkt mit langfristigen wirtschaftlichen, industriellen oder gesellschaftlichen Trends verbunden sind, die häufig von kurzfristigen Marktbewegungen abgekoppelt sind.
In einem Umfeld, in dem die börsennotierten Märkte weitgehend von sehr grossen, insbesondere technologieorientierten Unternehmen dominiert werden, bietet Private Equity ein ausgewogeneres Engagement in der Realwirtschaft. Sie trägt auch dazu bei, bestimmte Korrelationen zu verringern und die Gesamtvolatilität der Portfolios zu mildern, auch wenn dies auf Kosten einer geringeren Liquidität geschieht.
Schliesslich folgt diese Anlageklasse eindeutig einer Logik der langfristigen Wertschöpfung. Sie beruht eher auf der Fähigkeit der Managementteams, Unternehmen umzugestalten, ihre Unternehmensführung, ihre operative Effizienz oder ihre strategische Positionierung zu verbessern, als auf taktischen Marktarbitrageentscheidungen.

Wie gehen Sie mit Fragen der Liquidität und des Ausstiegs um, sowohl unter dem Gesichtspunkt der Zusammenstellung der Allokationen als auch unter dem Gesichtspunkt der Erwartungen der Kunden?
Diese Frage der Liquidität ist zentral. Viele Jahre lang erleichterten die sehr günstigen Marktbedingungen den Ausstieg und machten die Cashflows relativ vorhersehbar.
Diese Situation hat sich grundlegend geändert. Die Desinvestitionszyklen haben sich verlängert, die Bewertungen sind unsicherer geworden und Ausstiege erfordern mehr Geduld und Selektivität. Bei der Zusammenstellung der Allokationen bedeutet dies, dass die Verpflichtungen, Kapitalabrufe und Zeitpläne viel genauer verwaltet werden müssen. Es ist unerlässlich geworden, in Vintages zu denken, um einen übermässigen Liquiditätsbedarf zu bestimmten Zeitpunkten zu vermeiden. Auch die Auswahl der Vehikel ist entscheidend. Bestimmte Evergreen-Fonds oder Fortführungsstrukturen können interessante Lösungen bieten, müssen aber sehr genau analysiert werden, insbesondere im Hinblick auf die Mechanismen der Bewertung, des Gatings und der tatsächlichen Liquidität.
Auf der Kundenseite ist Aufklärung von entscheidender Bedeutung. Es ist entscheidend, die Erwartungen anzugleichen und zu erklären, dass Private Equity von Natur aus illiquide und zyklisch bleibt und dass die Wertschöpfung langfristig angelegt ist. Liquidität kann und sollte nie als selbstverständlich angesehen werden.

Welche grossen Trends sehen Sie in den letzten fünf Jahren bei der Portfoliokonstruktion und der strategischen Allokation auf einer breiteren Ebene?
In den letzten fünf Jahren war ein deutlicher Trend hin zu stärker segmentierten und thematisch ausgerichteten Portfolios zu beobachten. Die Allokationen werden nicht mehr nur um grosse homogene Anlageklassen herum aufgebaut, sondern zunehmend um spezifische Strategien, Sektoren oder Wirtschaftsmotoren herum. Die alternative Tasche wurde deutlich vergrössert, insbesondere durch die zunehmende Bedeutung von Private Debt und Kreditstrategien, die teilweise bestimmte traditionelle Engagements in Fixed Income ersetzen.
Parallel dazu hat sich die Indexverwaltung bei den Kernengagements, insbesondere bei Large Caps, durchgesetzt, während sich die aktive Verwaltung in spezialisierteren Segmenten, Sektoren oder Nischen neu positioniert. Diese Entwicklung spiegelt auch das gestiegene Bewusstsein für die Grenzen der traditionellen, stark konzentrierten Indizes und das Bedürfnis nach einer qualitativ hochwertigeren Diversifizierung wider.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Private-Equity-Universum aus Ihrer Sicht als Investor im Laufe der Zeit verändern?
Private Equity befindet sich in einer neuen Phase der Reife. Der Markt hat sich stark institutionalisiert, mit einer höheren Professionalisierung der Akteure, einer stärkeren Disziplin und einer grösseren Selektivität bei den Investitionen. Die Demokratisierung des Zugangs über Evergreen-Strukturen oder Plattformen verbreitert die Investorenbasis, stellt aber auch neue Herausforderungen in Bezug auf Liquidität und Transparenz.
Ausserdem ist eine zunehmende Spezialisierung der Manager zu beobachten, die sich auf Sektoren, geografische Regionen oder Strategien spezialisieren. Diese grössere Granularität ermöglicht es, bestimmte Werttaschen besser zu erfassen, erfordert aber auch eine feinere Expertise bei der Auswahl der Partner.

Wie beurteilen Sie heute die Sensibilität der Kunden für die Welt der Private Equity oder der Private Markets im Allgemeinen?
Viele haben bereits einen erheblichen Teil ihres Vermögens in wenig liquiden Vermögenswerten angelegt, insbesondere über ihr Unternehmen oder ihre Immobilien. Dies schränkt mechanisch ihre Fähigkeit ein, dieses Engagement noch weiter zu erhöhen. Davon abgesehen nimmt das Interesse an Private Markets zu, insbesondere in einem Umfeld, in dem die Renditen traditioneller Anlagen unsicherer sind. Die Kunden sind diesen Lösungen gegenüber zunehmend aufgeschlossen, sofern die Risiken klar erläutert werden und die angebotenen Strukturen eine gewisse Lesbarkeit in Bezug auf Fälligkeit und Cashflows bieten.

Welche Kriterien sind für Sie bei der Auswahl Ihrer Manager oder Private-Equity-Strategien entscheidend?
Die Auswahl der Manager beruht vor allem auf der Qualität der Teams und ihrer Fähigkeit, mehrere Zyklen zu überstehen. Der Track Record, die Stabilität der Teams, die Kohärenz der Strategie und die sektorale Spezialisierung sind Schlüsselelemente. Wir bevorzugen häufig mittelgrosse Manager oder spezialisierte Boutiquen, die in der Lage sind, einen echten Mehrwert und Zugang zu differenzierenden Chancen zu bieten. Auch die Transparenz der Berichterstattung, die Qualität der Unternehmensführung und die Fähigkeit, klare und regelmässige Informationen zu liefern, sind von entscheidender Bedeutung, insbesondere in einer langfristigen Partnerschaftsbeziehung.

Welche Hauptunterschiede bestehen heute noch zwischen börsennotierten und privaten Märkten?
Börsennotierte Märkte zeichnen sich durch eine hohe Liquidität, eine starke regulatorische Transparenz und standardisierte Informationen aus, aber auch durch eine zunehmende Konzentration auf eine begrenzte Anzahl von Large Caps. Die privaten Märkte hingegen ermöglichen eine direktere Begleitung der Unternehmen, eine stärkere Einbindung in die Unternehmensführung und eine Wertschöpfung, die weniger von kurzfristigen Marktschwankungen abhängt. Die beiden Welten bleiben zutiefst komplementär.
Private Equity wird häufig zu Schlüsselmomenten im Lebenszyklus der Unternehmen - Wachstum, Umwandlung, Übertragung - vor einer möglichen Rückkehr zu den börsennotierten Märkten oder einer industriellen Veräusserung eingesetzt.

Biografie
Jean-Christophe Rochat ist Chief Investment Officer der Banque Heritage, der er 2009 beitrat. Er begann seine Karriere 2004 bei Lombard Odier, wo er verschiedene Positionen als Finanzanalyst in der Abteilung Asset Management bekleidete.
Seit seinem Eintritt bei der Banque Heritage hat er den Bereich der Fondsauswahl aufgebaut und geleitet. Im Jahr 2012 lancierte er die Multi-Asset-Beratungsplattform und leitete den Geschäftsbereich bis Anfang 2019, als er zum Chief Investment Officer der Gruppe ernannt wurde.
Jean-Christophe Rochat hat einen Master-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre der Universität Lyon 3. Er verfügt zudem über die Zertifizierungen CIIA und CWMA.
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