An der Spitze von Telomere Capital vertritt Dominique de Riaz eine unternehmerische und technologiegetriebene Vision der unabhängigen Vermögensverwaltung. Zwischen der zunehmenden Bedeutung von Daten, der wachsenden Komplexität von CRM-Tools und sich verändernden Kundenerwartungen erläutert er die neuen Differenzierungsfaktoren unabhängiger Vermögensverwalter in einem zunehmend kompetitiven Umfeld.

Wie würden Sie die heutige Positionierung von Telomere im Universum der unabhängigen Vermögensverwalter beschreiben?
Telomere positioniert sich als unabhängige Boutique mit hoher Wertschöpfung. Wir bewegen uns zwischen der institutionellen Strenge grosser Privatbanken und der Agilität einer unternehmerischen Struktur. Unser Unterschied liegt in einem stark personalisierten Ansatz, einer direkten Kundenbeziehung und der Fähigkeit, massgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, ohne eigene Produkte anbieten zu müssen. Unser Ziel ist nicht Grösse um jeden Preis. Wir legen den Fokus vielmehr auf höchste Ausführungsqualität.
In welcher Entwicklungsphase befindet sich Telomere heute?
Wir befinden uns in einer Phase der kontrollierten Reife. Nach mehreren Jahren des Aufbaus und der Konsolidierung verfügen wir über eine solide Plattform – sowohl auf menschlicher als auch auf operativer Ebene. Dadurch konnten wir nachhaltige Strukturen schaffen. Unser Wachstum folgt heute einer natürlichen Dynamik, getragen von der Qualität unserer Arbeit, der Kundenloyalität und einem stabilen Zufluss an Empfehlungen. Der Fokus liegt nun auf der Optimierung der Struktur, der Erweiterung unserer Dienstleistungen und der zunehmenden Integration neuer technologischer Tools.
Welche Rolle spielen Ihre Depotbanken in Ihrem Leistungsversprechen?
Sie sind zentrale Partner in unserem Modell. Sie gewährleisten die Sicherheit der Vermögenswerte, die Ausführung der Transaktionen sowie den regulatorischen Rahmen. Über diesen operativen Aspekt hinaus stärken sie auch das Vertrauen der Kunden. Die Zusammenarbeit mit renommierten Institutionen vermittelt zusätzliche Stabilität und Transparenz. Unsere Aufgabe ist es, diese Architektur vollständig unabhängig im ausschliesslichen Interesse unserer Kunden zu orchestrieren.
Welche konkreten Vorteile bietet Ihnen das CRM über das reine Kunden-Tracking hinaus?
Das CRM ist für uns zu einem echten Steuerungsinstrument der Kundenbeziehung geworden. Es geht nicht mehr nur darum, Informationen zu zentralisieren, sondern unsere kollektive Intelligenz zu strukturieren. Es verbessert die Teamkoordination, die Nachvollziehbarkeit von Interaktionen und insbesondere unsere Fähigkeit, Kundenbedürfnisse frühzeitig zu erkennen. Damit ist es heute ein zentraler Hebel zur Sicherung hoher Qualitätsstandards.
Wie verändert die Integration von Tools wie Microsoft Dynamics 365 oder Power BI Ihr Geschäftsmodell konkret?
Wir können heute sehr individuell zugeschnittene Reportings erstellen – sowohl intern als auch für unsere Kunden – mit einem deutlich höheren Mass an Transparenz und Interaktivität. Microsoft Dynamics 365 strukturiert und zentralisiert die Daten, während Power BI deren Auswertung und visuelle Aufbereitung ermöglicht. Dadurch haben wir differenzierende Modelle entwickelt, die zugänglicher und für unsere Kunden deutlich verständlicher sind. Es handelt sich um ein langfristiges Projekt mit erheblichen Investitionen, dessen Nutzen heute klar sichtbar ist.
Wie balancieren Sie Spezialisierung und einen ganzheitlichen Vermögensverwaltungsansatz?
Wir verfolgen klar einen ganzheitlichen Ansatz, da Vermögensfragen heute stark multidimensional sind. Steuern, Strukturierung, Asset Allocation, Familiengovernance und Nachfolgeplanung sind eng miteinander verknüpft und erfordern eine Gesamtsicht. Das bedeutet jedoch keine Verwässerung von Expertise. Im Gegenteil: Wir bündeln spezialisierte Kompetenzen gezielt und setzen sie je nach Bedarf unserer Kunden ein. Unsere Rolle ist es, diese Expertise sinnvoll zu orchestrieren.
Inwiefern ist der Umgang mit Daten heute ein Wettbewerbsvorteil für unabhängige Vermögensverwalter?
Daten ermöglichen es, historisch stark personenabhängige Prozesse zu strukturieren, zu objektivieren und zu professionalisieren. Sie verbessern die Qualität der Betreuung, die Kohärenz von Entscheidungen und die langfristige Steuerungsfähigkeit. Für unabhängige Vermögensverwalter ist das ein entscheidender Hebel, um professioneller zu werden, ohne an Agilität zu verlieren.
Wie nutzen Sie diese Daten konkret zur Personalisierung des Kundenservices?
Wir analysieren damit Verhaltensmuster, Erwartungen und Lebenszyklen unserer Kunden. Dadurch können wir Kommunikation gezielter gestalten, Bedürfnisse früher erkennen und relevantere Lösungen anbieten. Personalisierung basiert heute nicht mehr nur auf Intuition, sondern auf einer strukturierten und kontinuierlichen Datenbasis.
Entwickelt sich die Datenanalyse aus Ihrer Sicht zu einem strategisch wichtigeren Faktor als die Allokation selbst?
Ich glaube nicht, dass Daten die Allokation ersetzen – sie bleibt das Herzstück unseres Geschäfts. Aber sie wird zu einem unverzichtbaren Ergänzungsfaktor, um Entscheidungen präziser zu machen und Strategien laufend anzupassen. Wir bewegen uns zunehmend weg von einer rein finanziellen Logik hin zu einem umfassenderen Ansatz der Vermögenssteuerung.
Wie sieht Ihre Vision für Telomere in fünf Jahren aus?
Unser Ziel ist es, das verwaltete Vermögen kontrolliert weiter wachsen zu lassen und gleichzeitig unseren Qualitätsanspruch beizubehalten. Parallel dazu wollen wir unser Dienstleistungsangebot schrittweise erweitern und selektiv internationale Entwicklungsmöglichkeiten prüfen. Dieses Wachstum muss jedoch stets mit unserer DNA im Einklang stehen: Unabhängigkeit, Nähe und Exzellenz.
Wird Technologie zu einem noch stärkeren Differenzierungsfaktor als Performance?
Performance bleibt selbstverständlich zentral, tendiert jedoch in einem stark kompetitiven Umfeld zur Normalisierung. Technologie wird hingegen zu einem entscheidenden Differenzierungsfaktor, da sie Kundenerlebnis, Servicequalität und Ausführungskompetenz verbessert. Akteure, die Performance, Servicequalität und technologische Exzellenz kombinieren, werden einen klaren Wettbewerbsvorteil haben.
Dominique de Riaz, CEO
Telomere Capital
Dominique de Riaz begann seine Karriere 2004 bei Synthesis Bank als Sales Trader. Anschliessend wechselte er zu UBS Wealth Management in Genf, wo er sich auf den Aufbau einer Schweizer HNWI-Kundschaft spezialisierte und später Unternehmer sowie Top-Executives innerhalb der Private Wealth Management Division betreute. 2015 war er Mitgründer von Telomere Capital, einer unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Genf, tätig in den Bereichen Wealth Management, Family Office und Wealth Planning. Dominique de Riaz ist Absolvent der Webster University Geneva. Sein Werdegang ist stark auf die Vermögensberatung von Unternehmern, Führungskräften und vermögenden Familien ausgerichtet.
