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„Was den Schweizer Markt auszeichnet, ist vor allem das hohe Anspruchsniveau der Anleger“

Interview
Samira Sadik
Country Head switzerland
La Financière de l’Echiquier
Von Jérôme Sicard, chefredakteur, SPHERE

Die Schweiz hat den Vermögensverwaltern stets einen sehr lokalen Ansatz auferlegt. Für Samira Sadik geht es nun darum, die Verankerung von LFDE in der Deutschschweiz sowie bei institutionellen Anlegern zu stärken und gleichzeitig differenzierende Kompetenzen in den Bereichen private Märkte, Anleihen und Innovationsthemen auszubauen.

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Welche Grundprinzipien muss ein Vermögensverwalter befolgen, um sich erfolgreich auf dem Schweizer Markt zu etablieren?

Die Schweiz ist ein anspruchsvoller und komplexer Markt mit zahlreichen Akteuren und hohen Erwartungen hinsichtlich Fachkompetenz und Innovation.

Ich sehe drei entscheidende Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Etablierung. Der erste ist eine nachhaltige lokale Verankerung, da Vertrauen und Partnerschaft erst langfristig aufgebaut werden. Dies setzt Teams voraus, die nah an den lokalen Anlegern sind. Eine meiner Aufgaben ist es, ein Team zwischen Genf und Zürich zusammenzustellen, das möglichst nah an unseren Partnern ist, deren Sprache spricht und unser Angebot an ihre Besonderheiten anpassen kann.

Der zweite ist ein differenziertes, zielgerichtetes und leistungsstarkes Angebot. Die Schweiz ist ein sehr wettbewerbsintensiver Markt, auf dem Investoren Zugang zu den grossen internationalen Akteuren haben. Wir befinden uns daher eher in einem Markt der Selektion als im Massenvertrieb. Es ist sinnvoll, überzeugungsbasierte Vermögensverwaltung anzubieten, die präzisen Bedürfnissen entspricht und das erwartete Serviceniveau bietet.

Der dritte Punkt ist die Kenntnis der Vertriebskanäle. Ein unabhängiger Vermögensverwalter, eine Bank, ein Family Office oder ein institutioneller Investor haben weder die gleichen Bedürfnisse noch die gleichen Entscheidungsprozesse. Die Schweiz ist kein einheitlicher Markt. Man muss wissen, welche Segmente man priorisieren muss, seinen Ansatz an jeden Kanal anpassen und schrittweise vorgehen.

Was unterscheidet heute für einen Vermögensverwalter wie LFDE den Schweizer Markt von anderen europäischen Märkten?

Was den Schweizer Markt auszeichnet, sind vor allem die hohen Ansprüche der Anleger und ihre starke internationale Ausrichtung. Sie suchen weniger nach Produktanbietern als vielmehr nach Partnern, die auf Dauer angelegt sind, mit denen sie sich austauschen und eine Vertrauensbeziehung aufbauen können. Dieses Umfeld passt gut zu LFDE, mit unserer Kultur der Nähe und unserem auf starken Überzeugungen basierenden Management.

Für welche Kundensegmente erscheint Ihnen das Angebot von LFDE heute am relevantesten?

Historisch gesehen haben wir viel mit unabhängigen Vermögensverwaltern zusammengearbeitet. Sie bleiben für uns wichtige Partner. Auch der Wholesale-Bereich birgt grosses Potenzial, insbesondere bei Privatbanken und Multi-Family-Offices. Unser Angebot entspricht gut den Bedürfnissen ihrer Advisory-Kunden, insbesondere mit differenzierten Überzeugungsstrategien und thematischer Expertise in den Bereichen Technologie, künstliche Intelligenz oder humanoide Roboter.

Gleichzeitig möchten wir das Segment der institutionellen Anleger ausbauen. In der Vergangenheit waren wir auf diesem Markt weniger präsent, doch unsere Produktpalette ermöglicht es uns heute, ihren spezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden. Diese Anleger verfolgen eine langfristige Anlagestrategie und bevorzugen oft eine Core-Satellite-Struktur mit einem Kernportfolio, das indexgebunden ist oder einen geringen Tracking Error aufweist, sowie einem aktiveren Satellite-Teil.

Wir können beiden Komponenten gerecht werden. Für den Core-Teil ermöglicht das quantitative Angebot unserer LBP AM-Gruppe, das wir in der Schweiz vermarkten, insbesondere robuste Lösungen unter Einbeziehung nicht-finanzieller Kriterien. Für den Satelliten-Teil können wir auf die langjährige Expertise von LFDE im aktiven, auf Überzeugungen basierenden Management sowie auf unsere differenzierten Strategien zurückgreifen und dabei gleichzeitig auf die ergänzenden Kompetenzen von LBP AM in den Bereichen Spezialkredite und private Vermögenswerte zurückgreifen.

Was hat Sie nach mehr als zwanzig Jahren bei Lombard Odier IM und anschliessend bei Oyster Funds dazu bewogen, zu LFDE zu wechseln?

Ich bin aus drei Hauptgründen zu LFDE gekommen. Der erste ist die beschleunigte Entwicklung von LFDE auf dem Schweizer Markt mit einer klaren strategischen Vision. Dieses Wachstumsprojekt wird von der LBP AM-Gruppe vorangetrieben, die investiert und sich die Mittel für ihre Ambitionen verschafft. Die jüngsten und laufenden Neueinstellungen zum Aufbau des Schweizer Teams sind ein Beleg dafür.

Der zweite Grund ist der besonders spannende Moment in der Geschichte von LFDE. Wir verfügen heute über ein erweitertes Angebot, das alle Anlageklassen, alle Anlagestile und alle Regionen abdeckt, wobei wir gleichzeitig unsere DNA als überzeugungsgetriebene und spezialisierte Vermögensverwalter mit fundiertem und differenziertem Fachwissen bewahren. Eine für mich wesentliche Positionierung.

Schliesslich ist da noch die zutiefst unternehmerische Unternehmenskultur. Im Alltag zeichnen sich grosse Agilität, Engagement und hohe Ansprüche aus, gepaart mit der Fähigkeit, schnell Entscheidungen zu treffen und voranzukommen.

Welche spezifischen Chancen des Schweizer Marktes rechtfertigen das erneute Interesse von LFDE?

Ich sehe drei wesentliche Entwicklungen bei den Bedürfnissen des Schweizer Marktes. Die erste ist die steigende Nachfrage nach Anlagen auf den privaten Märkten, insbesondere nach Produkten, die den Zugang zu dieser Anlageklasse einem breiteren Publikum ermöglichen.

Dank der Plattform für private Märkte von LBP AM werden wir in Kürze in der Schweiz ein Angebot für institutionelle Anleger auf den Markt bringen, und zwar in Form eines diversifizierten Evergreen-Dachfonds mit offener Architektur. Diese Strategie ermöglicht es, sowohl in Direct Lending als auch in Private Equity und Infrastruktur zu investieren, und zwar sowohl über Fremd- als auch über Eigenkapital.

Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Suche nach aktiven Anleihenstrategien mit hohem Mehrwert, die eine ausreichende Rendite erzielen können. Dies ist genau eine der strategischen Säulen der Gruppe bis zum Jahr 2030, mit einem Angebot, das Spezialkredite, Wandelanleihen und Absolute-Return-Strategien abdeckt.

Schliesslich stellen wir eine Nachfrage nach Innovation fest, jedoch nicht nach Innovation um jeden Preis. Sie muss relevant sein und auf nachgewiesener Expertise sowie soliden Anlageverfahren beruhen. Dies ist ein Bereich, in dem wir seit 2011 die Fähigkeit entwickelt haben, die grossen strukturellen Trends zu erkennen, die die Wirtschaft von morgen prägen werden. Darüber hinaus entwickeln wir Lösungen auf der Grundlage unserer Expertise im Finanzengineering.

Was sind Ihre mittelfristigen Ziele auf dem Schweizer Markt?

Die Gruppe strebt bis 2030 ein verwaltetes Vermögen von 100 Milliarden Euro an, davon 10 bis 15 Milliarden von internationalen Anlegern ausserhalb Frankreichs. Die Schweiz, die zu unseren drei wichtigsten internationalen Märkten zählt, ist daher ein strategischer Markt.

Unsere Priorität ist es, unsere lokale Präsenz zu stärken, insbesondere in der Deutschschweiz, wo wir noch erhebliches Wachstumspotenzial haben. Zudem werden wir unsere Reichweite bei institutionellen Anlegern ausbauen und unser Team in Genf und Zürich verstärken.

Schliesslich wollen wir unser gesamtes Produktangebot bekannter machen und dabei den Schwerpunkt auf die Fachkompetenzen legen, die uns auszeichnen und den Bedürfnissen der Schweizer Anleger entsprechen.

Biografie

Samira Sadik

La Financière de l’Echiquier

Samira Sadik ist seit Mai 2026 Country Head Switzerland bei LFDE. Sie verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung und kennt den Schweizer Markt sehr gut. Bevor sie zu LFDE kam, war sie Head of Wholesale, Switzerland bei Lombard Odier Investment Managers, nachdem sie zuvor unter anderem bei Oyster Funds für die Geschäftsentwicklung und die Betreuung von Schlüsselkunden verantwortlich war. Samira Sadik ist Absolventin der Sciences Po Bordeaux und der ESCP Europe Business School und hat zudem das „Program for Swiss Board Members“ in Lausanne absolviert.

 

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