Die unabhängige Vermögensverwaltung in der Schweiz ist nach wie vor solide und gut verankert. Sie stützt sich auf eine bewährte Finanzinfrastruktur, einen stabilen politischen Rahmen und eine hohe internationale Glaubwürdigkeit. Das Inkrafttreten des FinfraG und des AFG hat den regulatorischen Rahmen geklärt und die Professionalisierung der Branche verstärkt. Gleichzeitig wurde der Konsolidierungsprozess beschleunigt, insbesondere bei kleinen und mittleren Strukturen, die mit steigenden Kosten für Compliance, Audits und Reporting konfrontiert sind.
Trotz des verschärften Wettbewerbs und des anhaltenden Drucks auf die Margen haben die unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz weiterhin echte Vorteile, die auf ihrer Expertise, ihrer Unabhängigkeit und der Nähe zu ihren Kunden beruhen.
Was sind heute die grössten Reibungspunkte, die sie behindern?
Der regulatorische Zwang bleibt das grösste Hemmnis. Er erhöht die operative Komplexität und drückt auf die Kosten, vor allem für kleine Strukturen. Auch der Druck auf die Gewinnspannen nimmt zu, bedingt durch die Preistransparenz, den Wettbewerb und die Verbreitung von Billigprodukten. Gleichzeitig müssen die Vermögensverwalter in Tech investieren, um effizienter zu werden und die Erwartungen der Kunden zu erfüllen, oft ohne über die erforderliche kritische Grösse zu verfügen.
Hinzu kommen Herausforderungen bei der Rekrutierung und der Nachfolge. Viele erfahrene Fachkräfte nähern sich dem Ruhestand und die neuen Generationen bevorzugen flexiblere, digitalere Umgebungen. Die Anforderungen der Kunden an Transparenz, Nachhaltigkeit und Personalisierung steigen weiter an.
Was sollte die FINMA von den Realitäten, mit denen unabhängige Vermögensverwalter konfrontiert sind, besser verstehen?
Die FINMA würde davon profitieren, wenn sie die strukturellen Zwänge, die für unabhängige Vermögensverwalter typisch sind, besser integrieren würde, insbesondere ihre Grösse und ihre Ressourcen, die mit denen von Banken nicht vergleichbar sind. Einheitliche regulatorische Anforderungen, auch wenn sie gut gemeint sind, führen oft zu einer unverhältnismässigen Belastung für kleine Strukturen, die zu Lasten des Kundenservice und der operativen Prioritäten geht.
Unabhängige Vermögensverwalter sind jedoch in erster Linie unternehmerische Strukturen, die sich im Besitz ihrer Manager befinden und stark kundenorientiert sind. Sie spielen eine Schlüsselrolle für den Wettbewerb, die Beschäftigung und die Innovation im Schweizer Wealth Management. Sie gewährleisten eine echte Vielfalt und Wahlfreiheit für die Kunden.
Wenn Sie heute eine klare Botschaft an die FINMA richten müssten, wie würde diese lauten?
Die grosse Mehrheit der unabhängigen Vermögensverwalter übt ihre Tätigkeit verantwortungsvoll und professionell im Interesse ihrer Kunden aus. Für diese 1'500 nunmehr beaufsichtigten Akteure ist ein pragmatischer, verhältnismässiger und risikobasierter Ansatz erforderlich. Die gesamte Branche als potenzielles Problem zu betrachten, schwächt gut geführte Strukturen unnötig und verwässert die Wirksamkeit der Aufsicht. Ein differenzierterer Ansatz würde stattdessen sowohl den Schutz der Anleger als auch die Solidität des Sektors stärken.
Welche strukturellen Entwicklungen werden die Landschaft der unabhängigen Vermögensverwalter in den nächsten fünf Jahren am stärksten prägen?
Die Konsolidierung dürfte sich aufgrund des Regulierungs- und Kostendrucks fortsetzen. Digitalisierung und Automatisierung werden eine zentrale Rolle einnehmen. Portfoliomanagementsysteme, Datenanalysen und kundenorientierte digitale Tools werden zum Standard werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch die sich ändernden Kundenerwartungen werden eine Schlüsselrolle spielen, angetrieben von generationsübergreifenden Übertragungen, höheren Anforderungen an Transparenz und einem wachsenden Interesse an nachhaltigen Lösungen. Schließlich dürften Partnerschaften zwischen unabhängigen Vermögensverwaltern, Banken und Fintechs zunehmen, die Zugang zu leistungsstarken Infrastrukturen bieten, ohne die Unabhängigkeit in Frage zu stellen.
Wie würden Sie die aktuelle Positionierung von Invest Partners definieren?
Invest Partners präsentiert sich als eine schweizerische, unabhängige Plattform für Portfoliomanagement, die von und für Privatbankiers und erfahrene Vermögensverwalter konzipiert ist. Sie ist als Netzwerk von Senior Partnern organisiert und bietet institutionelle Standards mit einer grossen Flexibilität bei den angebotenen Lösungen. Ein engagiertes Verwaltungsteam kümmert sich um Compliance, Reporting, IT und Governance, so dass sich die Partner auf die Verwaltung und die Kundenbeziehung konzentrieren können. Transparenz, Interessenangleichung und langfristige Partnerschaften bilden die DNA der Plattform.
Wo sehen Sie heute die grössten Wachstumschancen für Invest Partners?
Die Chancen ergeben sich aus der Konsolidierung der Branche und der wachsenden Zahl erfahrener Fachleute, die unabhängiger werden wollen. Ältere Manager und Privatbankiers verlassen die traditionellen Banken, um mehr unternehmerische Freiheit zu erlangen und sich auf die Kundenbeziehung zu konzentrieren. Invest Partners ist gut positioniert, um sie aufzunehmen, mit einer stabilen Plattform, einer modernen IT-Infrastruktur und umfassender Unterstützung in allen administrativen Belangen.
Welche Art von Unterstützung bietet Invest Partners seinen Partnern?
Die Plattform übernimmt alle Funktionen, die nicht mit der Investition zusammenhängen, von Compliance über IT und Governance bis hin zum Berichtswesen.
Ein zentrales Team sorgt für den operativen, einheitlichen und robusten Rahmen, damit sich die Partner auf die Verwaltung und die Kundenbeziehungen konzentrieren können.
Diese Funktionen werden im Laufe der Zeit weiterentwickelt, mit mehr Digitalisierung und Automatisierung, um die Effizienz zu steigern.
Wie viele Partner haben Sie heute?
Invest Partners hat heute 30 Partner. Das Wachstum ist bewusst selektiv, wobei der Schwerpunkt eher auf dem kulturellen und beruflichen Fit als auf der Grösse liegt. Die Plattform verfügt dank einer skalierbaren Infrastruktur und eines sehr soliden operativen Rahmens noch über Wachstumsspielräume.
Wie sieht Ihr Ansatz für private Märkte und digitale Vermögenswerte aus?
Der Ansatz bleibt selektiv und wird von den Bedürfnissen der Kunden geleitet. Private Märkte sind heute kein Schwerpunkt, da viele Menschen Liquidität und Transparenz bevorzugen. Digitale Vermögenswerte werden vorsichtig angegangen und eher über regulierte und börsennotierte Produkte als direkt gehalten, insbesondere aus Gründen der Governance, der Bewertung und der Liquidität.
Welche Art von Managern möchten Sie gewinnen und welches Partnerschaftsmodell bieten Siean?
Invest Partners richtet sich an erfahrene Manager mit unternehmerischem Geist, die Wert auf ihre Unabhängigkeit und den Aufbau langfristiger Kundenbeziehungen legen. Es ist uns gelungen, ein Modell zu entwickeln, das Autonomie und Handlungsfreiheit mit einer Plattform verbindet, die Infrastruktur und Unterstützungsfunktionen innerhalb eines klaren Rahmens bietet, der sich in erster Linie an den Interessen der Kunden orientiert.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der unabhängigen Vermögensverwaltungsbranche?
Die Branche würde davon profitieren, wenn sie sich besser strukturieren und mit einer Stimme sprechen würde. Die derzeitige Fragmentierung zwischen Verbänden schränkt ihr Gewicht in regulatorischen und politischen Diskussionen ein. Eine glaubwürdige Dachvertretung, die in der Lage ist, gemeinsame Interessen zu vertreten und den Austausch zwischen den Akteuren zu fördern, würde den Zusammenhalt, die Sichtbarkeit und die Solidität der Branche langfristig stärken.