Kupfer, Uran, seltene Erden, Edelmetalle: Kritische Rohstoffe stehen im Mittelpunkt der Herausforderungen unseres Jahrhunderts.
Die Bedeutung der Rohstoffe beruht nicht nur auf ihrer geologischen Knappheit, sondern auch auf ihrer Unverzichtbarkeit und der Anfälligkeit der Lieferketten, die oft lang und konzentriert und zudem geopolitischen Spannungen ausgesetzt sind. Aus dieser Kombination ergibt sich unserer Meinung nach ein globales, langfristiges Anlagethema.
Strukturelle Nachfrage, Wertschöpfungsketten unter Druck
Die Energiewende führt zu einem steigenden Bedarf an Kupfer, Lithium, Nickel und Uran. Der Boom bei Rechenzentren treibt insbesondere die Nachfrage nach Industriegasen und seltenen Erden für Halbleiter an. Die wachsenden Ausgaben im Verteidigungssektor erhöhen den Bedarf an Legierungen, Titan, seltenen Erden und Spezialwerkstoffen. Die Nachfrage steigt, während sich das Angebot nur langsam anpasst. Der Bau eines Bergwerks, einer Raffinerie oder einer Verarbeitungsanlage dauert mehrere Jahre und erfordert erhebliche Kapitalmittel und ein stabiles Regulierungsumfeld. Schon die geringste Störung kann zu anhaltenden Spannungen führen und den strategischen Wert bisher unterschätzter Vermögenswerte offenbaren.
Zu dieser Komplexität kommt hinzu, dass die Förderung, die Raffination und die Herstellung auf eine begrenzte Anzahl von Ländern konzentriert sind. Diese Konzentration macht den Zugang zu Rohstoffen zu einer Frage der wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit. Da die Wertschöpfungsketten dieser Rohstoffe größtenteils in China angesiedelt sind, stellt die Souveränität eine zentrale Herausforderung dar. Die USA, Europa und ihre Partner sind bestrebt, bestimmte Kapazitäten zurückzuverlagern, ihre Lieferquellen zu diversifizieren und die Wertschöpfungsketten von der Förderung bis zum Endprodukt wieder aufzubauen.
Unternehmen verfolgen ähnliche Ziele: Beteiligungen, langfristige Lieferverträge, Recycling und Investitionen in Produktionskapazitäten dienen zur Absicherung der Versorgung. Diese Neuausrichtung schafft Chancen im gesamten Ökosystem.
Ein einzigartiges Anlageuniversum
Die Kritikalität eines Rohstoffs hängt nicht allein von seinem Vorkommen im Boden ab. Sie beruht auch darauf, was er ermöglicht. Elektrische Leitfähigkeit, Beständigkeit bei extremen Temperaturen, geringes Gewicht oder magnetische Eigenschaften: Bestimmte Rohstoffe weisen physikalische Eigenschaften auf, die selbst mit den modernsten Technologien nicht ohne Weiteres nachgebildet werden können. Da sie nur schwer zu ersetzen oder zu recyceln sind, wird ihre Verfügbarkeit zu einer gesonderten industriellen Herausforderung.
Die Herausforderung ist umso größer, wenn sie nicht das Hauptprodukt eines Bergwerks sind. Indium, Gallium oder Tellur werden beispielsweise zusammen mit anderen Metallen abgebaut. Ihr Angebot hängt daher in erster Linie vom Fördervolumen des Ausgangserzes, den eingesetzten Verfahren und den Kosten für die Trennung der Erze ab. Geringe Fördermengen, schwankende Ausbeuten und der Bedarf an Investitionen erschweren somit eine schnelle Anpassung des Angebots. Die Knappheit dieser Rohstoffe hat also nicht nur geologische Gründe, sondern auch technische, industrielle und wirtschaftliche.
Unscheinbare Märkte im Zentrum der industriellen Machtverhältnisse
Zu dieser Komplexität kommt noch die Intransparenz der Märkte hinzu. Für viele dieser Rohstoffe gibt es weder eine kontinuierliche Preisnotierung noch einen tiefen Markt oder einheitliche Daten. Die Geschäfte werden außerbörslich abgeschlossen, wobei die Preise aufgrund der Besonderheiten hinsichtlich Reinheit, Form oder Herkunft nur schwer vergleichbar sind. Um diese Märkte zu verstehen, bedarf es daher Fachkenntnisse an der Schnittstelle zwischen Geologie, Chemie, Verfahrenstechnik und Geopolitik. Für uns als Unternehmensanleger besteht die Herausforderung nicht darin, Spekulationen über die Rohstoffpreise anzustellen, sondern darin, zu verstehen, wer das Angebot steuert, und die Akteure zu ermitteln, die sich auf lange Sicht etablieren können. Wir investieren nicht in die Rohstoffe selbst, sondern in die Unternehmen, die sie fördern, verarbeiten oder ihre Verfügbarkeit sicherstellen.
Die Heterogenität dieses Sektors spricht unserer Meinung nach für eine differenzierte Betrachtung des Anlageuniversums. Kritische Rohstoffe können sich sehr unterschiedlich entwickeln, selbst wenn sie Teil derselben strukturellen Veränderungen sind. Da sie zahlreichen operativen Risiken ausgesetzt sind, ist eine aktive Verwaltung unserer Ansicht nach entscheidend. Im Gegensatz zu einem indexbezogenen Ansatz, der Risiken verwässern und die wahren Herausforderungen in Sachen Souveränität verdecken kann, zielt aktive Vermögensverwaltung darauf ab, die Schlüsselakteure zu erkennen, die über strategische Vermögenswerte, operative Visibilität und eine zentrale Stellung in den Wertschöpfungsketten verfügen. Vor diesem Hintergrund ist ein Stockpicking-Ansatz ein Muss.
Die Energiewende, künstliche Intelligenz, Verteidigung und Souveränitätspolitik definieren heute die Hierarchie der Ressourcen neu. Für langfristig orientierte Anleger besteht die Herausforderung darin, jene Ressourcen zu identifizieren, deren unersetzbare Eigenschaften, starres Angebot und strategische Bedeutung von den Märkten noch nicht vollständig gewürdigt werden. Erst wenn man über die herkömmliche Betrachtung des Rohstoffzyklus hinausgeht, offenbart sich das gesamte Potenzial dieses Anlageuniversums.