Nach zwei Jahrzehnten, die von institutionellen Anlegern dominiert wurden, treten die privaten Märkte in eine neue Entwicklungsphase ein. Die private Vermögensverwaltung nimmt nun eine immer zentralere Rolle ein.
Für Privatbanken, Multi-Family-Offices und unabhängige Vermögensverwalter steht viel Strategisches auf dem Spiel. Die Privatmärkte bieten nicht nur das Potenzial, die Kundenportfolios zu diversifizieren und die langfristigen Renditen zu steigern, sondern auch die Möglichkeit, nachhaltige Einnahmequellen zu erschliessen. Der Aufbau eines glaubwürdigen Angebots an Privatmärkten bleibt jedoch komplex. Anlagestrukturen, Geschäftsprozesse und Berichtssysteme wurden historisch gesehen für institutionelle Anleger entwickelt. Ihre Übertragung auf die Vermögensverwaltung führt oft zu Reibungen.
Genau diese Herausforderung löst ROYC, indem es eine operative Infrastruktur speziell für Privatmärkte anbietet, die Anlagestrukturierung, Allokationslösungen und digitale Infrastruktur vereint. Wir haben uns mit Mathias Leijon, Gründer und Vorsitzender von ROYC, und Lucas Stalder, Director - Client Solutions, ausgetauscht, um zu verstehen, wie sich das Ökosystem der Privatmärkte entwickelt und was Vermögensverwaltungsinstitutionen benötigen, um ihr Angebot zu erweitern.
Die Private-Equity-Aktivitäten haben sich in Europa verlangsamt. Handelt es sich dabei um eine vorübergehende Pause oder um ein eher strukturelles Phänomen?
Leijon: Es handelt sich eher um eine Aufwertung als um einen Zusammenbruch. Über ein Jahrzehnt lang war Kapital extrem billig. Mit dem Anstieg der Zinssätze dauern Transaktionen länger und Ausstiege sind schwieriger, was die Aktivität verlangsamt. Doch die Fundamentaldaten von Private Equity bleiben langfristig solide.
Privatanleger denken anders als institutionelle Investoren. Was bedeutet das konkret?
Stalder: Institutionelle Anleger sind mit den Mechanismen der privaten Märkte vertraut: Jahrgänge, Kapitalabrufe, Diversifizierung zwischen Managern und strukturierte Investitionsprogramme über mehrere Jahre.
Privatanleger haben einen stärker ergebnisorientierten Ansatz: Sie wollen langfristig Vermögen aufbauen, Erträge erwirtschaften und ihre Portfolios diversifizieren. Sie erwarten auch eine ähnliche Erfahrung wie der Rest der Vermögensverwaltung: ein einfaches Onboarding, eine klare Berichterstattung und erschwingliche Anlagebeträge. Die Anpassung der Privatmärkte an diese Realität erfordert daher eine Weiterentwicklung der Anlagestrukturen und der operativen Infrastruktur.
Die Nachfrage nach Evergreen- und Semi-Liquid-Strukturen steigt. Was sind die Gründe dafür?
Stalder: Diese Strukturen entsprechen besser der Art und Weise, wie Privatanleger ihr Kapital einsetzen. Traditionelle Private-Equity-Fonds bedeuten lange Verpflichtungen und unregelmässige Kapitalabrufe. Evergreen-Strukturen ermöglichen es, ihr Exposure schrittweise aufzubauen, flexibler zu investieren und Ausschüttungen im Laufe der Zeit zu reinvestieren.
Welche Strategien stossen heute bei Privatanlegern auf das grösste Interesse?
Leijon: Mid-Market-Buyout, Sekundärstrategien und Infrastruktur sind besonders relevant. Infrastruktur ermöglicht den Zugang zu langfristigen Vermögenswerten, die mit der Realwirtschaft verbunden sind, und bietet häufig einen Inflationsschutz. Sekundärstrategien ermöglichen Investitionen in reife Portfolios und bieten in der Regel eine bessere Sichtbarkeit der Ausschüttungsströme. Zusammengenommen ermöglichen diese Strategien den Aufbau einer Allokation, die zwischen Wertschöpfungspotenzial und Stabilität der Zuflüsse ausgewogen ist.
Viele Banken und Vermögensverwaltungsgesellschaften möchten ihr Angebot an Privatmärkten ausbauen. Was hält sie heute davon ab?
Stalder: Die Nachfrage der Kunden ist eindeutig vorhanden. Die grösste Herausforderung besteht vor allem im operativen Bereich, aber auch in der Art und Weise, wie diese Lösungen vermarktet und beraten werden. In der Praxis gibt es vier Hindernisse, die immer wieder auftauchen.
Das erste ist der Zugang: Die Mindestinvestitionen sind für Privatkunden oft zu hoch. Das zweite betrifft die Transaktionen. Die Zeichnungsprozesse, Kapitalabrufe und die administrative Überwachung sind in vielen Organisationen noch weitgehend manuell. Die dritte Herausforderung ist die Portfoliokonstruktion. Die Kunden brauchen zusammenhängende Programme und nicht nur eine Ansammlung von Fonds.
Und schliesslich das Berichtswesen: Anleger möchten sich nicht in mehreren Portalen anmelden müssen, um ihre Investitionen zu verfolgen.
Wie reagiert ROYC auf diese Herausforderungen?
Stalder: ROYC agiert als Infrastrukturpartner für Vermögensverwaltungsinstitutionen. Unser Ziel ist es, sie in die Lage zu versetzen, Investitionsprogramme für private Märkte effizient und skalierbar einzusetzen und zu verwalten. Unser Ansatz beruht auf zwei Hauptelementen.
Das erste ist die Strukturierung. Wir schaffen Anlagevehikel, die auf Privatkunden zugeschnitten sind, darunter regulierte Feeder-Fonds, Dachfonds oder Evergreen-Strukturen, die es ermöglichen, die Allokationen mehrerer Anleger zu bündeln, um institutionelle Tickets zu erreichen.
Das zweite ist die operative Infrastruktur. Unser Operating System digitalisiert den gesamten Lebenszyklus von Investitionen: Anleger-Onboarding, KYC, Zeichnungen, Kapitalabrufe, Ausschüttungen und Reporting.
Dieser Ansatz ermöglicht es Banken, Vermögensverwaltern und Family Offices, ein Angebot für private Märkte zu lancieren und auszubauen, ohne eine eigene operative Infrastruktur aufbauen zu müssen.
Der nächste Wachstumsschub für private Märkte?
Leijon: Für Banken, Vermögensverwalter und Family Offices bietet sich hier eine grosse Chance. Private Märkte hingegen werden mit manuellen Prozessen und fragmentierten Systemen nicht in der Lage sein, in der Vermögensverwaltung zu wachsen. Die Institutionen, die die richtige Infrastruktur aufbauen, werden über einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verfügen. Durch die Kombination von Strukturierung, Zugang zu Investitionen und digitalen Operationen ermöglicht ROYC seinen Partnern, ihr Angebot im Bereich Private Markets zu erweitern und gleichzeitig die Kontrolle über die Kundenbeziehung zu behalten.