Talent Pool, das am Dienstag von SPHERE und Michael Page ins Leben gerufen wurde, wählt die vielversprechendsten Hochschulabsolventen aus und verschafft ihnen direkte Sichtbarkeit bei den führenden Arbeitgebern des Schweizer Finanzplatzes. Die Initiative zielt darauf ab, einen Talentpool aufzubauen, um den Kompetenzwechsel in Privatbanken, bei unabhängigen Vermögensverwaltern, Multi-Family-Offices, Vermögensverwaltern und Wealthtech-Unternehmen voranzutreiben.
Der Schweizer Finanzplatz steht vor einer umfassenden Erneuerung seiner Führungskräfte. Wie können Arbeitgeber in diesem Zusammenhang ihre Fähigkeit stärken, die Profile anzuziehen und zu binden, die sie in Zukunft benötigen werden?
Die erste Herausforderung besteht darin, das Wertversprechen des Arbeitgebers neu zu überdenken. Die neuen Generationen entscheiden sich nicht mehr allein aufgrund des Rufs oder der Vergütung für ein Unternehmen. Sie suchen auch nach einem Umfeld, das Entwicklungsperspektiven, Flexibilität, eine gute Führung und sinnvolle Einflussmöglichkeiten bietet.
Um die Talente von morgen anzuziehen, müssen Arbeitgeber verstärkt in Weiterbildung, Coaching, den Erwerb neuer Kompetenzen und interne Mobilität investieren. Zur Mitarbeiterbindung gehört auch ein individuellerer Ansatz bei der Karrieregestaltung. Heutzutage möchten Fachkräfte ihre berufliche Entwicklung selbst gestalten und von weniger linearen Karrierewegen profitieren als in der Vergangenheit.
Schliesslich werden in einem Markt, in dem bestimmte Profile nach wie vor rar sind, die Schnelligkeit der Einstellungsprozesse und die Qualität der Bewerbererfahrung zu echten Wettbewerbsvorteilen.
Die Profile, die heute auf den Arbeitsmarkt kommen, scheinen in der Tat andere Erwartungen zu haben als frühere Generationen. Was hat sich Ihrer Meinung nach am stärksten in ihrer Einstellung zur Karriere, zum Unternehmen und zur Finanzbranche verändert?
Die wohl deutlichste Veränderung betrifft die Einstellung zur Arbeit und zum beruflichen Aufstieg. Junge Talente betrachten ihre Karriere eher als eine Abfolge bereichernder Erfahrungen denn als einen innerhalb einer einzigen Organisation aufgebauten Werdegang.
Sie suchen nach Sinn, kontinuierlichem Lernen und Transparenz. Ausserdem legen sie grossen Wert auf die Unternehmenskultur und die Qualität der Führung.
Was den Finanzsektor betrifft, stellen wir fest, dass sie sich von Innovation, Technologie, nachhaltiger Finanzwirtschaft und der digitalen Transformation angezogen fühlen. Sie möchten zur Weiterentwicklung der Branche beitragen, anstatt sich in deren traditionelle Modelle einzufügen.
Schliesslich wird die berufliche Tätigkeit von diesen neuen Generationen nicht mehr als oberste Priorität angesehen, sondern eher als Beschäftigung oder Bestrebung, die sowohl in Teilzeit als auch in Vollzeit ausgeübt werden kann.
Welche Kompetenzen oder Eigenschaften müssen junge Absolventen heute auszeichnen, die diesen Finanzplatz neu beleben und ihm neuen Schwung verleihen sollen?
Fachliche Kompetenzen bleiben zwar unerlässlich, reichen aber nicht mehr aus!! Die jungen Absolventen, die sich heute von der Masse abheben, sind diejenigen, die Finanzfachwissen, den sicheren Umgang mit digitalen Tools und Anpassungsfähigkeit miteinander verbinden. In einem sich ständig wandelnden Umfeld wird intellektuelle Agilität zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.
Auch Soft Skills gewinnen zunehmend an Bedeutung. Kommunikation, Teamfähigkeit, Neugier, Flexibilität und kritisches Denken sind besonders gefragt.
Schliesslich ist die Lernbereitschaft wahrscheinlich eine der entscheidenden Eigenschaften.
Die Finanzbranche muss Fachkräfte mit immer vielfältigeren Hintergründen anziehen, insbesondere aus den Bereichen Technologie, Daten oder Ingenieurwesen. Wie sehen Sie die Entwicklung der von Banken, unabhängigen Vermögensverwaltern oder sogar Family Offices gesuchten Profile?
Wir beobachten eine zunehmende Konvergenz zwischen Finanzberufen und technologischen Kompetenzen. Banken und Akteure der Vermögensverwaltung suchen mittlerweile nach Profilen, die in der Lage sind, eine Brücke zwischen Finanzen, Daten, Automatisierung und künstlicher Intelligenz zu schlagen. Kompetenzen in den Bereichen Datenanalyse, Cybersicherheit, Programmierung oder digitale Transformation gewinnen zunehmend an strategischer Bedeutung.
Auch Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter, die traditionell auf hochspezialisierte Anlageprofile ausgerichtet sind, öffnen sich zunehmend für vielfältigere Kompetenzen. Sie suchen insbesondere Fachkräfte, die in der Lage sind, regulatorische und technologische Entwicklungen sowie neue Kundenerwartungen zu begleiten.
In Zukunft werden hybride Profile, die Fachkompetenz mit technologischem Verständnis verbinden, zu den gefragtesten gehören.
Das Ziel des Talent Pools ist es, eine neue Generation von Talenten zu identifizieren und zu fördern. Warum erschien es Ihnen wichtig, eine solche Initiative auf dem Schweizer Markt ins Leben zu rufen? Auf welche spezifischen Marktbedürfnisse möchten Sie heute eingehen?
Die Schweiz verfügt über einen Pool an äusserst qualifizierten jungen Fachkräften, doch diese Talente geniessen bei den Entscheidungsträgern der Branche nicht immer die Sichtbarkeit, die sie verdienen. Dies lässt sich durch einen schwer zugänglichen Schweizer Markt erklären, der für direkte Rekrutierungskanäle stark reglementiert und vertraulich ist, während für indirekte Kanäle in grossem Umfang berufliche und persönliche Netzwerke genutzt werden.
Der Talent Pool ist nicht nur ein Instrument zur Identifizierung von Talenten. Es handelt sich um eine Initiative, die darauf abzielt, den Schweizer Finanzplatz auf die Zukunft vorzubereiten, indem sie die Kompetenzen, die die Branche morgen benötigen wird, mit den Organisationen zusammenbringt, die diese Zukunft gestalten werden.
Mit dem Talent Pool ist es unser Ziel, eine Brücke zwischen dieser neuen Generation und den Akteuren des Finanzplatzes zu schlagen. Wir möchten vielversprechende Profile ins Rampenlicht rücken, die die Zukunft der Branche verkörpern.
Diese Initiative entspricht zudem einem ganz konkreten Bedarf des Marktes: der vorausschauenden Planung des Kompetenz- und Führungsnachwuchses in einem Umfeld, in dem viele Akteure mit Herausforderungen in den Bereichen Nachfolge und Transformation konfrontiert sind.
Wie haben Sie die Auswahlkriterien für die ersten Profile definiert, die dem Talent Pool beigetreten sind?
Wir wollten eine umfassende Sichtweise auf das Potenzial einnehmen. Wir haben Partnerschaften mit den wichtigsten Management- und Ingenieurshochschulen geschlossen, die für uns von Interesse sind, sowohl in der Schweiz als auch in Europa. Diese haben uns eine Vorauswahl an Absolventen der Jahrgänge 2025 oder 2026 übermittelt, die unseren Suchkriterien für den Talent Pool entsprechen.
Berücksichtigt wurden nicht nur akademische Exzellenz und erste berufliche Erfolge, sondern auch die Berechtigung, auf dem Schweizer Arbeitsmarkt tätig zu sein, das Interesse am Bankensektor und an Finanzdienstleistungen sowie die Verfügbarkeit der Kandidaten. Grosse Bedeutung haben wir jedoch auch Kriterien wie Lernfähigkeit, Unternehmergeist, Engagement, intellektuelle Neugier und Potenzial beigemessen. Wir haben alle Kandidaten interviewt und dabei auch ihre Ambitionen und Interessen berücksichtigt.
Unser Ziel war es nicht, lediglich die derzeit besten Profile zu identifizieren, sondern diejenigen ausfindig zu machen, die in den kommenden Jahren einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung des Schweizer Finanzplatzes haben könnten.
Welche Richtung möchten Sie dem Talent Pool langfristig geben?
Unser Ziel ist es, den Talent Pool zu einer Referenz für die Identifizierung zukünftiger Führungskräfte der Schweizer Finanzbranche zu machen.
Langfristig möchten wir eine echte Gemeinschaft aufbauen, die den Austausch zwischen Talenten, Hochschulen, Arbeitgebern und Branchenexperten fördert. Ziel ist es zudem, diese Talente in ihrer beruflichen Entwicklung zu begleiten und ihren Werdegang zu verfolgen.
Im weiteren Sinne wollen wir dazu beitragen, die Attraktivität des Schweizer Finanzplatzes zu stärken, indem wir die Vielfalt der Werdegänge, die Innovationskraft und die Exzellenz hervorheben, die die nächste Generation seiner Führungskräfte auszeichnen werden.
Die nächste Auflage des Talent-Pool-Programms ist bereits für den 1. Dezember 2026 geplant, bei der 10 neue Nachwuchstalente mit Postgraduiertenabschluss vorgestellt werden sollen.
Talent Pool – die neuen Gesichter der Schweizer Finanzwelt
Zukünftige Talente für den Schweizer Finanzplatz gewinnen, identifizieren und vernetzen – das ist das Ziel von Talent Pool, einer neuen Initiative, die gemeinsam von SPHERE und Michael Page entwickelt wurde. Das Programm wurde am 1. September offiziell gestartet, mit einem ersten Jahrgang von zehn hochbegabten jungen Absolventen, die insbesondere von der EPFL, der EHL, der HEC Lausanne, der Universität St. Gallen und der Universität Genf stammen.