„Die Aufgabe der Depotbanken besteht darin, die EAMs effizienter, anpassungsfähiger und letztendlich wettbewerbsfähiger zu machen.“

Geschrieben von Clara Cardaun | 21.07.2026 14:53:15

Depotbanken stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. Unabhängige Vermögensverwalter erwarten nun ein höheres Maß an Digitalisierung, operativer Effizienz und Mehrwertdiensten. Die von zeb Consulting und Noveo Conseil durchgeführte „EAM & Custodian Bank Study 2026“ analysiert die Entwicklung der Rolle von Depotbanken und ihrer Beziehungen zu EAMs. Clara Cardaun, Mitautorin der Studie, geht auf die wichtigsten Erkenntnisse ein.

Wie müssen sich Depotbanken an die neuen Gegebenheiten des EAM-Marktes anpassen?

Der Markt für unabhängige Vermögensverwalter bleibt eines der attraktivsten Segmente der Vermögensverwaltung. Gleichzeitig haben sich die Wettbewerbsbedingungen grundlegend verändert. Die regulatorischen Anforderungen sind gestiegen, die Branche konsolidiert sich weiter, und die Endkunden erwarten mittlerweile digitale Erlebnisse, die mit denen vergleichbar sind, die sie aus anderen Bereichen ihres Alltags kennen. In diesem Umfeld wird die reine Verwahrung von Vermögenswerten unweigerlich zu einer reinen Dienstleistung.

Depotbanken müssen daher ihre Rolle grundlegend neu definieren. Sie können sich nicht mehr darauf beschränken, Verwahrungs- und Ausführungsdienstleistungen anzubieten. Sie müssen sich nun als echte strategische Partner positionieren und den unabhängigen Vermögensverwaltern die für die Entwicklung ihrer Geschäftstätigkeit erforderlichen Infrastrukturen und Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Die grössten Herausforderungen für unabhängige Vermögensverwalter liegen heute nicht mehr nur im Bereich der Kapitalanlagen, sondern auch beim Onboarding, bei der Compliance, der Berichterstattung, der operativen Effizienz und der Technologie.

Banken müssen sich daher deutlich anpassungsfähiger zeigen. Sie müssen effiziente, digitale und standardisierte Prozesse anbieten und gleichzeitig genügend Flexibilität bewahren, um sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle zu unterstützen. Ein einheitlicher Ansatz ist in einem Markt, in dem sowohl spezialisierte Boutique-Unternehmen mit einem verwalteten Vermögen von einigen hundert Millionen als auch eher institutionelle Akteure mit mehreren Milliarden nebeneinander bestehen, nicht mehr tragbar.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Rolle der Depotbanken gegenüber den EAMs entwickeln?

Die Depotbank der Zukunft wird es EAMs ermöglichen, ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Unabhängige Vermögensverwalter möchten die beiden Elemente beibehalten, die ihre eigentliche Wertschöpfung ausmachen. Dabei handelt es sich um die Kundenbeziehung und die Anlageentscheidungen. Alles andere wird zunehmend für Partnerschaften geöffnet.

Angesichts der zunehmenden regulatorischen und operativen Komplexität erwarten EAMs von ihren Bankpartnern, dass diese Reibungsverluste reduzieren und die erforderliche Infrastruktur bereitstellen, damit sie sich auf ihre Kunden und das Wachstum ihres Geschäfts konzentrieren können.

Die Beziehung zwischen dem EAM und der Depotbank wandelt sich somit von einer rein transaktionalen Beziehung zu einer echten strategischen Partnerschaft. Die Rolle der Bank besteht nicht darin, den unabhängigen Vermögensverwalter zu ersetzen, sondern ihm zu ermöglichen, effizienter, anpassungsfähiger und letztlich wettbewerbsfähiger zu sein.

Die besten Depotbanken werden für den Endkunden fast unsichtbar sein, für den Vermögensverwalter jedoch unverzichtbar. Ihr Wert wird auf der Qualität ihrer Infrastruktur, der Zuverlässigkeit ihrer Systeme und ihrer Fähigkeit beruhen, komplexe Anforderungen zu bewältigen.

Welche Funktionen müssen Depotbanken heute über die reine Verwahrung hinaus ausbauen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Die Technologie ist zweifellos der wichtigste Differenzierungsfaktor. EAMs erwarten schnelle und reibungslose Onboarding-Prozesse. Papierbasierte Verfahren oder manuelle Eingriffe werden zunehmend als Hindernis empfunden. Sie erwarten zudem echte bidirektionale APIs, die einen reibungslosen Datenaustausch zwischen der Bank und ihren eigenen Systemen ermöglichen. Es geht nicht mehr nur darum, Konto- und Transaktionsdaten zu empfangen, sondern auch darum, Aufträge und Anweisungen digital übermitteln zu können.

Die Qualität der Vernetzung ist entscheidend geworden. Die Daten müssen zuverlässig, schnell verfügbar und direkt verwertbar sein. APIs schaffen nur dann einen Mehrwert, wenn sie auf reale Geschäftsprozesse abgestimmt sind.

Ein weiterer wichtiger Differenzierungsfaktor ist die Fähigkeit, einen internationalen Kundenstamm zu betreuen. Banken mit fortgeschrittenen Kompetenzen im Bereich Compliance und skalierbaren Betriebsmodellen können sich zunehmend durch ihre Fähigkeit auszeichnen, komplexe Situationen im Zusammenhang mit unterschiedlichen Kundenstandorten und grenzüberschreitenden Konstellationen zu bewältigen. Die Wettbewerbsfähigkeit beruht heute auf diesen drei Säulen: digitale Fähigkeiten, regulatorisches Fachwissen und Mehrwertdienste.

Inwiefern haben das LSFin und das LEFin die Beziehung zwischen Depotbanken und externen Vermögensverwaltern am stärksten verändert?

Diese beiden Gesetze haben die Professionalisierung des gesamten EAM-Sektors beschleunigt. Die Zeiten, in denen unabhängige Vermögensverwalter mit relativ informellen Strukturen arbeiten konnten, sind vorbei. Die Anforderungen in Bezug auf Zulassung, Governance, Kundendokumentation und Due Diligence sind heute deutlich höher. Daraus ergibt sich ein deutlich höherer Verwaltungsaufwand.

Infolgedessen ist die Beziehung zwischen EAM und Depotbanken deutlich institutioneller geworden. Vermögensverwalter legen nun grösseren Wert darauf, ob eine Partnerbank in der Lage ist, sie in einem regulierten, sich weiterentwickelnden und nachhaltigen Rahmen zu unterstützen. Gleichzeitig bleiben sie zurückhaltend, wenn es um die Auslagerung von Bereichen geht, die ihren Kernwert ausmachen, nämlich die Kundenbeziehung und die Anlageentscheidungen.

So hat sich eine klare Rollenverteilung herausgebildet. Die EAM behalten die Verantwortung für die Kundenbeziehung, während von den Banken zunehmend erwartet wird, dass sie die Infrastruktur bereitstellen, die einen effizienten Betrieb ermöglicht.

Wenn die Technologie zu einem entscheidenden Faktor bei der Wahl einer Depotbank geworden ist, was sind dann heute die wichtigsten Erwartungen der EAM in diesem Bereich?

Die EAMs erwarten eine nahtlose Integration zwischen ihren eigenen Systemen und denen der Depotbank. Sie wollen keine Zeit mehr damit verschwenden, zu überprüfen, ob die Daten korrekt übertragen wurden, oder manuelle Abstimmungen vorzunehmen.

Eine bidirektionale Anbindung ist mittlerweile unverzichtbar geworden. Der Datenfluss zwischen beiden Seiten muss automatisch und lückenlos erfolgen. Grössere EAMs erwarten zunehmend eine API-Anbindung an ihre Portfoliomanagementsysteme. Einige gehen sogar so weit, dass sie in Zukunft nicht mehr mit Banken zusammenarbeiten wollen, die solche Schnittstellen nicht anbieten.

Die Technologie hat sich somit von einem blossen Komfortfaktor zu einer notwendigen Voraussetzung für Wachstum entwickelt. Es geht nicht mehr nur darum, die operative Effizienz geringfügig zu verbessern. Technologische Kompetenz ist heute ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Wie wird das Wertversprechen einer Depotbank aussehen, die den Erwartungen der EAMs von morgen gerecht wird?

Er wird auf drei Ebenen basieren.

Die erste Ebene umfasst grundlegende Dienstleistungen wie Verwahrung, Ausführung, Finanzierung und Basisbankdienstleistungen. Diese Aktivitäten werden zunehmend standardisiert und reichen allein nicht mehr aus, um eine Bank von anderen abzuheben.

Die zweite Ebene betrifft die Infrastruktur, die mittlerweile ein echter Differenzierungsfaktor ist. Sie umfasst insbesondere das digitale Onboarding, das Reporting, die Datenqualität, Compliance-Prozesse, operative Effizienz und Multi-Booking-Fähigkeiten.

Die dritte Ebene umfasst Mehrwertdienste wie Research, den Zugang zu Spezialisten, steuerliche Beratung, Vermögensplanung und die Bereitstellung von Anlagelösungen.

Letztendlich muss das Wertversprechen einer Depotbank es den EAM ermöglichen, drei zentrale Herausforderungen zu meistern: ihre Kunden besser zu betreuen, ihr Geschäft in grösserem Massstab auszubauen und ihre eigene Differenzierung zu stärken.

Welche neuen Erwartungen stellen EAMs heute an ihre Depotbank?

Die wesentliche Veränderung besteht darin, dass EAMs nicht mehr nur eine Bank suchen, bei der sie ihre Vermögenswerte verwahren können. Sie erwarten von ihren Bankpartnern nun echte digitale Integrationsfähigkeit, einen automatisierten Datenaustausch, schnellere Onboarding-Prozesse sowie Unterstützung bei den immer komplexer werdenden regulatorischen Anforderungen.

Zudem erwarten sie leistungsfähigere Reporting-Lösungen, mehr Transparenz und einen konsolidierten Überblick über ihre Portfolios, auch wenn diese auf mehrere Depotbanken verteilt sind.

Grössere EAMs stellen zudem Anforderungen, die denen institutioneller Kunden nahekommen, mit speziellen Servicemodellen, spezialisierten Ansprechpartnern, klaren Governance-Strukturen und einem professionellen Umgang mit operativen Herausforderungen.

Letztendlich hat sich die zentrale Frage gewandelt. Vor fünf Jahren wählten EAMs eine Bank hauptsächlich für die Verwahrung ihrer Vermögenswerte aus. Heute suchen sie einen Partner, der aktiv zur Effizienz, zum Wachstum und zur Nachhaltigkeit ihres Geschäfts beitragen kann.

Wie müssen Depotbanken ihr Geschäftsmodell angesichts des Aufkommens grösserer, stärker integrierter und anspruchsvollerer EAM weiterentwickeln?

Grosse EAMs nähern sich in ihrer Arbeitsweise zunehmend der von institutionellen Kunden an. Sie verfügen über eigene Technologieplattformen, stellen hohe Anforderungen an die Compliance und haben eine gestiegene Verhandlungsmacht. Angesichts dieser zunehmenden Komplexität müssen Depotbanken ihr Dienstleistungsmodell professionalisieren – mit speziellen Teams für EAMs, klaren Governance-Strukturen und einer verstärkten Verantwortung über die gesamte Geschäftsbeziehung hinweg.

Auch die Gebührenmodelle müssen sich weiterentwickeln. Grosse EAMs verfügen über eine wachsende Verhandlungsmacht bei den Verwahrgebühren. Die Banken müssen daher verstärkt die Qualität ihrer Infrastruktur, ihre Mehrwertdienste und ihr Fachwissen in den Vordergrund stellen, anstatt sich hauptsächlich auf traditionelle Erlöse aus dem Verwahrgeschäft zu stützen.

Ein mehrstufiges Dienstleistungsmodell dürfte sich schrittweise durchsetzen: stark automatisierte Prozesse zur Maximierung der operativen Effizienz, ergänzt durch eine individuelle Betreuung durch Experten in besonders komplexen Situationen.

In Zukunft werden diejenigen Banken erfolgreich sein, die Skalierbarkeit, operative Exzellenz und digitale Kompetenzen miteinander verbinden und gleichzeitig den EAM ihren Mehrwert klar aufzeigen können.