Im stark umkämpften UHNWI-Segment markiert die Integration von Bedrock in die Corient-Gruppe einen wichtigen Entwicklungsschritt. Maurice Ephrati erläutert die strategischen Beweggründe der Transaktion und wie sie Bedrock dabei unterstützen soll, auf die zunehmende Komplexität internationaler Vermögen zu reagieren, ohne die Unabhängigkeit und Kundennähe aufzugeben, die das Unternehmen auszeichnen.
Welche neuen Möglichkeiten können Sie Ihren Kunden mit dem Beitritt zu Corient bieten?
Maurice Ephrati: Die Bedürfnisse sehr vermögender Familien sind zunehmend global und komplex. Es ist heute nicht ungewöhnlich, dass Mitglieder derselben Familie in verschiedenen Ländern leben, Vermögenswerte in mehreren Jurisdiktionen halten und mit anspruchsvollen Fragen rund um Investments, Nachfolge, Governance, Philanthropie oder die Strukturierung ihres Vermögens konfrontiert sind.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, braucht es Zugang zu umfangreichen Ressourcen, spezialisierten Kompetenzen und moderner Technologie, aber auch die Fähigkeit, unterschiedliche Fachbereiche in der Schweiz und international zu koordinieren. Mit der Integration in Corient stärken wir uns in all diesen Bereichen deutlich. Unsere Kunden profitieren damit von einem breiteren und internationaleren Umfeld, ohne auf die persönliche Betreuung, langfristige Beziehungen und die konsequente Kundenorientierung verzichten zu müssen, die Bedrock seit jeher prägen. Entscheidend ist, dass diese Entwicklung ohne Kompromisse bei der Unabhängigkeit erfolgt, die bei der Beratung sehr vermögender Familien von zentraler Bedeutung ist.
Was ist die strategische Logik dieser Partnerschaft für Bedrock?
Die Logik ist vollständig an den Interessen unserer Kunden ausgerichtet.
Wir sind in einem der anspruchsvollsten Segmente der Vermögensverwaltung tätig. Sehr vermögende Familien erwarten heute echte internationale Kapazitäten, eine reibungslose Koordination über verschiedene Jurisdiktionen hinweg, anspruchsvolle Reporting-Lösungen und Zugang zu ausgewiesener Expertise in sehr spezifischen Bereichen.
Corient ist zudem keine Bank. Wie Bedrock ist das Unternehmen eine unabhängige, von seinen Partnern gehaltene Vermögensverwaltungsgesellschaft. Der Schwerpunkt liegt auf der Beratung und nicht auf dem Vertrieb von Produkten. Dieser Ansatz hilft uns, Interessenkonflikte zu vermeiden.
Wie verändert diese Integration Ihre mittelfristigen Wachstumsperspektiven?
Zunächst profitieren wir von den erweiterten Möglichkeiten einer grösseren, integrierten Organisation.
Die Vermögensverwaltung erfordert zunehmend grössere Investitionen in Technologie, Cybersicherheit, Reporting, operative Infrastrukturen, regulatorisches Know-how und Talente. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Kunden weiter.
Innerhalb von Corient werden wir in der Lage sein, unsere Investitionen in all diesen Bereichen zu beschleunigen.
Unser Ziel ist nicht Wachstum um des Wachstums willen. Wir wollen eine Organisation aufbauen, die einige der anspruchsvollsten Familien der Welt über mehrere Jahrzehnte hinweg begleiten kann.
Wie fügt sich diese Transaktion in Ihre langfristige Vision für Bedrock ein?
In den vergangenen zwanzig Jahren haben wir eine Gruppe aufgebaut, die für ihre Unabhängigkeit, ihren Unternehmergeist und ihre Kundennähe bekannt ist.
Die Frage, die wir uns gestellt haben, war einfach: Wie können wir dieses Modell für die Zukunft weiter stärken?
Wir sind überzeugt, dass die Zukunft Unternehmen gehört, die eine wirklich unabhängige Beratung mit den Fähigkeiten grosser Institutionen verbinden können.
Genau diese Ambition ermöglicht uns diese Transaktion.
Wir ändern unseren Kurs nicht. Wir setzen den Weg fort, den Bedrock seit seiner Gründung verfolgt.
Was bringt Corient mit, das Sie als unabhängiges Unternehmen nicht hätten erreichen können?
Entscheidend ist, dass Corient selbst eine unabhängige Gruppe ist. Das Unternehmen befindet sich im Besitz seiner Partner, ist nicht börsenkotiert und gehört keiner Bankengruppe an. Das war für uns ein grundlegendes Kriterium.
Was Corient einbringt, ist eine grössere Plattform. Je internationaler und komplexer die Bedürfnisse unserer Kunden werden, desto umfangreicher müssen auch die Ressourcen sein, die wir zu ihrer Betreuung einsetzen können.
Letztlich gibt uns diese Transaktion die Möglichkeit, unsere Kunden mit noch mehr Tiefe und Reichweite zu begleiten.
Welche grossen Trends prägen die Entwicklung unabhängiger Vermögensverwalter?
Der wichtigste Trend ist die zunehmende Komplexität der Kundenbedürfnisse.
Sehr vermögende Familien sind heute immer internationaler. Ihre Mitglieder leben häufig in mehreren Ländern, ihre Unternehmen sind weltweit tätig und ihre Vermögenswerte über verschiedene Jurisdiktionen verteilt. Dadurch wird die Vermögensverwaltung deutlich komplexer.
Ein zweiter Trend ist die wachsende Nachfrage nach einer integrierten Beratung. Kunden erwarten heute Expertise nicht nur bei Investments, sondern auch bei Nachfolge, Family Governance, Philanthropie, familiären Dynamiken und strategischen Entscheidungen.
Ein dritter Trend ist die zunehmende Bedeutung von Technologie, Transparenz, Cybersicherheit und Infrastrukturen auf institutionellem Niveau.
All diese Entwicklungen begünstigen Unternehmen, die eine hochgradig persönliche Beratung mit umfangreichen Ressourcen und echter internationaler Reichweite verbinden können.
Wie funktioniert die Partnerschaft mit Corient konkret in Bezug auf Governance und operative Integration?
Entscheidend ist, dass es sich um eine vollständige Integration handelt.
Wir bleiben keine unabhängige Gesellschaft, die auf der Plattform eines Dritten operiert. Wir werden zu einer einzigen integrierten Organisation mit einer gemeinsamen Kultur, gemeinsamen Werten und einem gemeinsamen Anspruch an eine unabhängige Beratung.
Diese Übereinstimmung war einer der wesentlichen Gründe, weshalb diese Transaktion für uns sinnvoll war.
Beide Organisationen setzen auf langfristige Beziehungen, Unternehmergeist und die konsequente Ausrichtung auf die Interessen der Kunden. Es geht daher nicht darum, parallele Strukturen aufrechtzuerhalten, sondern komplementäre Stärken innerhalb einer gemeinsamen Organisation zusammenzuführen.
Diese Integration wird eine kohärentere Governance, eine stärkere Organisation und einen besseren Austausch von Expertise innerhalb der Gruppe ermöglichen.
Wie werden die Verantwortlichkeiten zwischen Bedrock und Corient bei der Betreuung der Kunden und der Weiterentwicklung der Plattform verteilt?
Ich würde es eigentlich vermeiden, dies als Aufteilung von Verantwortlichkeiten zu beschreiben.
Nach der Transaktion werden wir als eine vollständig integrierte Organisation arbeiten. Es geht daher nicht darum, die Rollen auf zwei getrennte Einheiten zu verteilen, sondern komplementäre Fähigkeiten innerhalb einer gemeinsamen Gruppe zu bündeln.
Bedrock bringt mehrere Jahrzehnte Erfahrung in der Betreuung internationaler, sehr vermögender Familien ein. Corient verfügt seinerseits über eine bedeutende Grösse, umfangreiche Ressourcen, fortschrittliche Technologien und spezialisierte Expertise. Das Ergebnis ist eine stärkere Plattform, die ein breiteres Angebot und eine umfassendere Betreuung ermöglicht, ohne die persönlichen Beziehungen aus den Augen zu verlieren, die weiterhin im Zentrum unseres Geschäfts stehen.
Welche konkreten Veränderungen wird dieser Zusammenschluss kurzfristig und mittelfristig für Ihre Arbeitsweise bringen?
Für die Kunden hat Kontinuität oberste Priorität. Beziehungen, Vertrauen und Beratungsqualität bleiben unverändert.
Was sich schrittweise verändern wird, ist der Umfang der verfügbaren Ressourcen zur Unterstützung dieser Beziehungen. Wir erhalten Zugang zu zusätzlicher Expertise, stärkeren Infrastrukturen, fortschrittlicheren Technologien sowie zu einem deutlich grösseren globalen Netzwerk von Fachleuten.
Je internationaler und komplexer die Situationen unserer Kunden werden, desto mehr können wir mit dieser erweiterten Plattform ein breiteres Spektrum an Kompetenzen zur Verfügung stellen.
Letztlich ist das Ziel dieser Integration sehr einfach. Wir wollen einige der anspruchsvollsten und komplexesten Familien der Welt noch besser begleiten und gleichzeitig die Unabhängigkeit und Interessenübereinstimmung bewahren, die sie dazu bewogen haben, sich für uns zu entscheiden.